Auf ein Neues – 2018 und die kleinen Wunder

Das Jahr 2018 beginnt sehr schön – mit einem Vollmond in der Neujahrsnacht. Der Zeit der vollen Kräfte, des Lichtes und der Verwirklichung. Zeit, sich Gedanken zu machen, was man an Altem hinter sich lassen möchte und was Neues ins Leben treten soll. Wenn das Alte geht, ist es auch Zeit, zurückzublicken, zu bilanzieren oder Dinge Revue passieren zu lassen. Für mich heißt das, es ist gerade mal Zeit für einen grundlegenden Artikel. Einen Artikel über unsere Zeit und die Sichtweise darauf, welche in dieser Welt wie so vieles auch von Dualität geprägt ist. Vielleicht aber ist 2018 ja auch der Anfang, aus dieser Dualität ein Stück weit auszusteigen und sich als Teil des Ganzen einzufügen.

Die Zeit der Raunächte, der Tage zwischen den Jahren bietet sich dafür besonders an, weil es eine Zeit ist, in der die Dunkelheit sich noch einmal breit macht, bevor das Licht endgültig zurück kehrt. Und da ist es auch Zeit, sich mal über Schatten Gedanken zu machen, Ängste und schlechte Gedanken. Ja. Unsere Zeit hat riesengroße Herausforderungen mit dem Klimawandel, das Mikroplastik, den Atomkatastrophen wie Fukushima oder den Kriegen und dem Terror, der aus Religionen entsteht. Da kann man hinsehen und sich fürchten – man kann es aber auch lassen und sich einmal besinnen, was sich in unserer Welt eigentlich, von vielen übrigens ganz unbemerkt, Großartiges tut.

Miteinander

Die Menschen dieser Erde wachsen immer mehr zusammen. Freundschaften lassen sich jenseits von Sprache und Ländergrenzen viel leichter pflegen als noch vor 30 Jahren. Wir können mit unseren Lieben jenseits der Ozeane täglich in Kontakt sein via Whats App, Videoanrufen oder Ähnlichem. Wir bekommen Einblicke in den Alltag anderer Kulturen, auch mithilfe von Portalen wie Airbnb, Couchsurfing und Co. Wir schlafen nicht mehr anonym in Hotels oder Ferienwohnungen oder nehmen Kontakt auf zu anderen, den wir mittels Facebook und Co auch noch pflegen können. Wann war das in diesem Umfang bei diesen Entfernungen je vorher möglich? Es gibt viele Beispiele dieser Art.

Silvester 2017, Rituale und AnsichtenSprachliche Barrieren fallen

Wir können plötzlich fremde Texte lesen – dank Übersetzungsprogrammen wie google-Translator (so schlecht sie auch sein mögen) sogar so schwierige und exotische Sprachen wie Ungarisch. Klar, steckt diese Technik noch in den Anfangsschuhen – aber mit unseren Handys haben wir Geräte, mit denen wir uns mit fremden Menschen fremder Sprachen unterhalten können. Wann hat es das so gegeben? Miteinander sprechen, sich kennenlernen hebt auch den Respekt füreinander und das Verständnis. Ein großartiger Schritt für ein friedvolles Miteinander.

Medienfreiheit und die Lügenpresse

Ich bin Journalistin und natürlich habe auch ich viel über Zensur und die Lügenpresse-Vorwürfe nachgedacht. Immer wieder diskutiere ich diese Sachen auch auf meinen Seminaren. Und immer wieder staunen meine Teilnehmer, wenn ich folgende These aufstelle: Es gab wohl noch nie eine Zeit, in der die Pressefreiheit derart hoch war wie heute. Im Grundgesetzt steht, dass sich jeder Bürger unseres Landes Journalist nennen darf, eben um die Pressefreiheit zu gewährleisten. Das ist zum ersten Mal überhaupt möglich, weil jeder von uns einen eigenen Videokanal oder ein Internetmagazin aufmachen kann – und das tun auch genügend Menschen. Wir brauchen keine Fernsehsender, die wir fragen müssen, ob unsere Beiträge gesendet werden, keinen Verleger oder andere Filter, um eine Reichweite zu bekommen. Jeder kann einen Blog, einen Youtube- oder einen Social-Media-Kanal eröffnen und das senden, was ihm auf dem Herzen liegt. Und das tun viele Menschen. Klar, dass dann auch Sachen gesendet werden, die jenseits der Medienmeinungen sind. Soetwas gab es zuvor nie und ist eine Art Durchbruch. Und jeder, der einen Blog oder einen Videokanal betreibt, ist abhängig von Reichweite und Zuschauer- oder Leserzahlen, ob gängige Medien oder Verschwörungstheorie-Kanäle, handwerklich gemacht sind sie alle auf dieselbe Art und Weise, mehr oder weniger professionell. Und beide arbeiten sehr viel mit Angst. Eine Art und Weise, die ich wirklich ablehne. Wir sollten aus dem Stadium herausgewachsen sein, mit Angst oder mit Gräben und Feindschaft zu arbeiten. Ich finde, unser Zeitalter ist eines des Zusammenwachsens und des Miteinanders, nicht eines der Angst und Kämpfe gegeneinander, sei es wegen Hautfarben oder Religionen wie vor 2000 Jahren auch schon. Übrigens gibt es auch viele Medien, die sich mit spirituellen Themen befassen, die unser spirituelles Wachstum fördern – mehr als je zuvor.

Konsum und Konsumverzicht

Mein Boot, mein Auto, mein Haus – das gilt weniger als je zuvor für die heranwachsenden Generationen. Mehr und mehr Menschen vereinfachen ihr Leben, wo es nur geht und überlegen sich ganz genau, ob sie ein Auto anschaffen oder lieber an Teilauto-Projekten teilnehmen. Man kann heute in Städten wohnen und ohne Auto trotzdem jederzeit ein Auto zur Verfügung haben und das sogar mit Gas oder Elektro dank der Teilautoprojekte. Diese Tausch-Community wächst und wächst. Es wird tatsächlich weniger weggeworfen. Natürlich werfen wir zu viel weg und produzieren viel zu viel Müll, aber man muss sich die Entwicklung anschauen, die unsere Welt genommen hat: Plastiktüten sind in unserem Land schon verpönt, weitere Länder werden folgen. Mehr und mehr Menschen tauschen Dinge wie Kleidung, Möbel oder Autos, kaufen Gebrauchtes bai ebay oder verkaufen es dort. Mehr und mehr Menschen überlegen sich bei jedem Kauf: Brauche ich das wirklich? Welche Auswirkungen hat das jetzt auf meine Umwelt? Wir hinterfragen viel mehr als früher unseren Konsum und woher die Dinge kommen anstatt einfach der Gier oder auch der Neugier nachzugeben. Das ist auch ein Schritt in eine Bewusstseinserweiterung. Viele Menschen wollen gar nicht mehr so viel arbeiten und viel Geld haben, weil ihnen Lebensqualität wichtiger geworden ist. Ist das nicht auch ein Schritt aus dem Hamsterrad hinaus? Viele Menschen wollen eine Arbeit, die ihr Beruf ist anstatt am Band zu stehen und machen genau das, was ihnen Spaß macht. Es werden immer mehr. Hätte ich zu meinem Abitur gesagt, ich möchte Yogalehrer werden, hätte man mich ausgelacht. Heute sind Berufe wie Tierheilpraktiker, Gesprächstherapeut oder Wildnispädagoge ganz normal. Und kaum jemand lächelt noch über Menschen, die davon leben, dass sie Gespräche mit Tieren führen oder staunt über den Beruf Youtube-Star oder Blogger.

Fortschritte beim Essen

Seit mehr als 32 Jahren esse ich kein Fleisch mehr. Ich weiß genau, wie schwer es in der Anfangszeit war, vegetarisch im Restaurant zu essen und wie ich angeschaut wurde oder wie mir immer wieder Speck oder Fleischbrühe einfach untergejubelt wurde in der Hoffnung, dass ich es nicht bemerke. Seitdem hat sich eine neue Welt aufgetan: Vegetarisch ist selbstverständlich geworden, jetzt ist vegan das neue vegetarisch. Es ist nicht gut, das Leiden der Tiere zu unterstützen oder die Meere leerzufischen – aber nach wie vor trifft jeder Mensch seine eigene Entscheidung. Aber: Nie war es so leicht wie heute, kein Fleisch zu essen, ohne Eier zu backen oder eiweißhaltige Produkte jenseits der tierischen Proteine zu bekommen: Lupinenwurst oder Kokosjoghurt stehen heute in den Supermärkten – vor 30 Jahren musste ich für Tofu noch weit fahren. Noch nie war das Bewusstsein so groß, dass viele der Fleischwaren von gequälten Tieren stammen. Es geht alles nur schrittweise voran, aber es geht in mächtig großen Schritten voran.

Umweltschutz

Ich bin mit Asbest, schlimmen Holzschutzmitteln und neben einem Atomkraftwerk aufgewachsen – all das gibt es nicht mehr oder wird bald abgeschaltet. Klar, gibt es weiterhin Umweltgifte und wenn ich die Bienen anschaue, was sie leisten und leiden, dann kommen auch bei mir Haßgefühle hoch, wenn ich an Glyphosat denke. Aber dann besinne ich mich und denke einfach mal 20 Jahre zurück und erkenne: Mehr und mehr Menschen setzen sich für die Umwelt ein, es werden Moore wieder vernäßt, Wälder aufgeforstet und insgesamt gehen wir bewusster mit unserer Umwelt um. Nein, es ist noch nicht so, wie es sein sollte, es ist noch viel zu tun. Aber anstatt sich immer nur darüber aufzuregen, was alles kaputt gemacht wird, sollten wir vielleicht auch mal sehen, dass die Zahl derjenigen wächst, die sich für die Umwelt engagieren. Wir sollten vielleicht auch mal darauf schauen, was wir schon alles erreicht haben und dann motiviert weiter machen, anstatt uns den Mut nehmen zu lassen und da hinzublicken, was alles noch zu tun ist und wie schrecklich denn alles gerade ist. Ja, es ist an uns, die Ärmel hochzukrempeln und das Ruder rumzureißen – aber passiert nicht genau das gerade? Wachsen nicht gerade diese Menschen bei uns auf, die das tun? Die jungen Menschen gehen nicht mehr zur Bundeswehr und kämpfen oder bereiten sich auf Waffen Kampf, Panzer und Co vor, sondern viele machen soziale oder ökologische Dienste stattdessen. Ist das nicht auch ein Zeichen, dass wir insgesamt friedlicher werden? Nur im friedlichen Miteinander schaffen wir es, diese Erde zu retten und zu bewahren. Eine Erde von der wir alle, schwarz wie weiß, Moslems wie Christen leben. Es geht nur miteinander – mit dem Anderen und mit der Natur. Kriege, Terror und Kämpfe sind angesichts dieser Mega-Aufgabe, für die wir alle unsere Kräfte brauchen, schon fast irrsinning.

Regionalität:

Wir öffnen uns im Denken der Welt, aber haben in den letzten Jahren weite Schritte in Richtung Regionalität gemacht. Nicht nur beim Einkaufen, auch beim Reisen nimmt es mehr und mehr zu. Mehr und mehr Menschen machen wieder Dinge selbst und verkaufen sie – dank Internet und entsprechender Plattformen gehen genähte Mützen, Häkelanleitungen und selbstgefädelter Schmuck nicht nur auf Weihnachtsmärkten gut weg, sondern auch permanent zwischen diesen Zeiten.

Gewalt, Kriege und Kämpfe

Es gab einst eine fürchterliche Grenze in der Mitte von Deutschland. Als Kind bin ich mehrfach im Jahr dort rübergefahren, habe zugesehen, wie Rückbänke umgeklappt, Tanks untersucht wurden, wurde zitternd in der Kälte gelassen, weil unser Auto so an der Grenze gefilzt wurde. Es gab einen Kalten Krieg und die ständige Angst, dass „die Russen kommen“. Mein Badesee, in dem ich als Kind viel gebadet habe, befand ich in direkter Nähe zu Selbstschussanlagen und Kontrolltürmen der deutsch-deutschen Grenze. Heute kann ich reisen fast ohne Grenze. Und auch ohne derartige Angst. Ja, es gibt andere Auswüchse heute. Aber erinnert sich jemand wirklich daran, wie es war, als man von Lauenburg aus nur in eine Richtung fahren kann, weil gleich dahinter die Welt endete? Es gibt so viel Freiheit wie nie zuvor. Und viele friedliche Revolutionen, die ganze totalitäre Regierungen gestürzt haben. Leider haben wir noch Kriege auf der Welt und Feindschaften, wachsenden Terror aufgrund von Religiosität. Aber wir haben auch ganz schön viel erreicht. Wir können nach Frankreich oder Spanien reisen, zahlen nicht nur mit demselben Geld, sondern auch die Schranken im Kopf gegenüber der jeweils anderen Nation sind kleiner geworden. Und nicht nur das. Noch vor 30 Jahren war Gewalt in den Familien Kindern gegenüber normal – heute sind Ohrfeigen eine Straftat und Kinder werden heute ganz anders erzogen als früher. Es hat sich eine Menge getan.

Der Dalai Lama hat mich mit den Worten in dem Buch „Der Appell des Dalai Lama an die Welt“ aus dem Benevento-Verlag sehr berührt: „Wir müssen jetzt lernen, dass die Menschheit eine einzige Familie ist … wir legen zu sehr den Fokus auf unsere Differenzen anstatt auf das, was uns verbindet. Dabei sind wir doch alle auf dieselbe Weise geboren und sterben auf dieselbe Weise. Es macht wenig Sinn, mit Stolz auf Religion oder Nation auf dem Friedhof zu landen … Wenn alle sieben Millarden Menschen das betrachten, was sie eint, anstatt das, was sie trennt, dann hätten wir alle weniger Stress und weniger Ärger.“ Aber geht es nicht genau dorthin bei vielen Menschen? Zur Bewusstheit.

Bewusstheit

Wer sich die Literatur anschaut, sieht einen deutlichen Trend: Spiritualität ist gefragt wie nie zuvor. Es sind Themen wie Aufarbeitung von Altem, das innere Kind, Yoga und Meditation, Leben nach dem Tod – es gibt Zeitschriften und Bücher über diese Themen. Insgesamt sind wir bewusster geworden, was auch an der reduzierten Gewalt und dem großen Wohlstand liegt, in dem wir leben. Wir müssen uns nicht ums Überleben sorgen sondern haben viel Zeit für philosophische Gedanken. Mehr und mehr Menschen treffen sich, um gemeinsam spirituelle Lieder zu singen und jenseits der Kirchen zu beten oder zu diskutieren. Ich finde das eine großartige Entwicklung.

 

Wir sollten uns diesen Dingen viel mehr öffnen, anstatt ins Negative zu schauen. Wer sich mit der Idee der Weltverschwörung beschäftigt und hinter allem Böses wittert, der ist schnell raus aus einer der wichtigsten Qualitäten: Dem Vertrauen. Und dem Mitgefühl, denn dann weisen wir wieder irgendwem die Schuld zu. Wir sehen in unseren Nachbarn plötzlich Konkurrenten oder Feinde. Und so wird Weltverschwörung letztendlich auch zu einer Art Religion, für die viele kämpfen und hart auf ihrem Standpunkt bleiben. Aber was nutzt es denn? Ich kann mit meiner Angst ins Grab gehen oder mit Mitgefühl. Wenn es zu Krieg und Katastrophen kommt, ist es da nicht besser, auf der Straße den Menschen zu helfen, als sich in seinem Bunker einzusperren mit Paketen voller Notlebensmitteln? Leben ist endlich, jeden Tag kann es uns oder einem unserer Lieben genommen werden. Aber auch das gehört zum Leben dazu und ist Teil unseres Weges, den wir auf dieser Erde gehen.

Ja, ich weiß, es gibt auch auf der anderen Seite eine Liste mit Untaten, die lang sind, aber ich finde es wichtig, auf diese Fortschritte zu schauen und sich diese wirklich einmal bewusst zu machen, wo wir eigentlich stehen. Letztendlich entscheidet es jeder selbst, täglich mit seinen kleinen Schritten, in welche Richtung sie oder er geht. Es gibt dabei immer diese Pole und Weggabelungen:

Handeln wir aus aus Liebe oder Angst heraus?

Handeln wir aus Mitgefühl oder Hass?

Aus Vertrauen oder Misstrauen?. Aber wir haben die richtige Richtung eingeschlagen. Wenn es uns gelingt, die Grausamkeit

Aus Ethik oder aus Religion?

In dem Buch „Grund zur Hoffnung“ (Autobiographie von Jane Goodall) sagt die Schimpansenforscherin:

„Unser Weg ist noch weit. Aber wir haben die richtige Richtung eingeschlagen. Wenn es uns gelingt, Grausamkeit gegen Mensch und Tier mit Liebe und Mitgefühl zu überwinden, werden wir auf der Schwelle einer neuen Ära der menschlichen Moral und der spirituellen Evolution stehen – und endlich unsere einzigartige Eigenschaft verwirklichen: die Menschlichkeit.“

Das wäre doch ein schönes Ziel – nicht nur für 2018, oder? Denn letztendlich gibt es nur den einen Weg – und das ist der der Liebe.

 

 

2 Kommentare

  1. Liebe Andrea, ich bin durch’s Krafttiergooglen auf diesen mutmachenden Artikel gekommen – vielen Dank dafür

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