Dem Herz folgen – aber wie?

Es gibt Dinge, die sagen sich so leicht. „Folge deinem Herzen“ ist ein heute oft gegebener Ratschlag. Wie aber geht das eigentlich?

Herzöffnung, Ins Herz gehen, wie geht das

Manchmal weiß man einfach, was richtig ist. Dann stellen sich keine Fragen, die Entscheidung fällt und alles im Körper jubelt. Das ist ein Zeichen, dass die Entscheidung eine Herzensentscheidung und eine richtige war. Doch nicht immer ist es so einfach. Oftmals fällt es sehr schwer, den Weg des Herzens zu gehen. Und oft verliert sich der Weg leider im Verstand.

Der Verstand – Gegenspieler des Herzens

Die Richtung des Herzens ist zumeist völlig entgegengesetzt der Richtung des Verstandes. Während der Verstand aufgrund alter Erfahrungen und Ängste immer Vorsichtsmaßnahmen ergreift und als innerer Kritiker den Weg der Sicherheit gehen möchte, geht das Herz den Weg des Vertrauens, oft auch des grundlosen Vertrauens. Das kann die unwahrscheinlichste Möglichkeit sein, die das Herz wählt, es hat Vertrauen, dass alles gut geht. Der Verstand hingegen vergiftet dieses Vertrauen, indem er zweifelt, Sicherheiten fordert, Bewertungen flüstert und Verurteilungen erschafft, die uns von den anderen trennen. Es ist letztendlich auch der Verstand, der dem Frieden im Wege steht, dem inneren und auch dem äußeren in der Welt, denn er braucht Schubladen wie gut und schlecht.

Leider aber füttern wir den Verstand viel zu häufig, lassen uns von Angst, Zweifeln und Bewertungen treiben, anstatt auf das Herz zu hören. Der Verstand möchte vor allem an Gewohntem festhalten und Neues nur ausprobieren, wenn er Vorteile dadurch hat. Leider macht uns das oft eng und verschlossen. Der Verstand regiert und wir verhärten.

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Der Weg des Herzens

Das Herz stellt keine Bedingungen. Das Herz gibt und empfängt. Es nimmt nicht. Liebe ist geben – und zwar ohne etwas zu erwarten, ohne einen Handel einzugehen und Gegenleistungen zu fordern. Liebe möchte geben. Schönheit, Liebe teilen, Lachen in die Welt bringen. Liebe empfängt, lädt ein, aber zerrt nicht. Liebe zieht nicht, noch schiebt sie, sie ist einfach nur eine Einladung an uns, die wir annehmen oder auch ausschlagen können. Aus dieser Essenz heraus findet sich der Weg des Herzens, findet sich die Seele. Die Seele weiß, dass alles immerfort in Verbindung mit allem steht. Nur können wir das oftmals nicht fühlen, weil wir zu sehr verstrickt sind in unsere Geschichten.

Geschichten sind nur Geschichten

Dabei müssen wir uns eines vergegenwärtigen: Wir sind nicht die Geschichten, die wir erleben. Das ist unsere Bühne und das Schauspiel, das aufgeführt wird. In uns schlummert eine stille, reiche Quelle, die ungetrübt von diesen Geschichten ist und immer bleiben wird, egal wieviel Drama und Schrecken wir erlebt haben. Geschichten, Drama, Kopfkino bewirken oftmals eine Trennung vom Herzen und dass wir zurück in den Verstand flüchten, in bekanntes Terrain. Das macht uns eng, verschlossen und oftmals auch wütend oder ängstlich. Je mehr Schlimmes wir erlebt haben, umso mehr Mauern bauen wir auf, umso mehr trennen wir uns von unserer Quelle und unserem Herzen.

Manchmal aber verstricken wir uns auch in den Geschichten, weil wir Drama mögen und vielleicht sogar brauchen, um uns selbst wahrzunehmen. Dann rennen wir immer im Kreis unserer eigenen Arena des Lebens, erleben immer dieselben Aufreger und auch Freuden, die uns letztendlich weder ausfüllen noch umkehren lassen und bleiben wie ein Tiger im eigenen Käfig. Die Tür ist offen, aber wir sehen es nicht, weil wir uns so in unser Drama verstrickt haben und ein Aspekt von uns es auch geniesst. Drama ist auch eine Art, sich selbst wahrzunehmen und zu fühlen. Nur leider nicht die beste Art, denn Drama baut Mauern, bestärkt den Aspekt der Trennung, der Verurteilung und verschließt uns.

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Das Herz tanzt

Das Herz ist offen, es tanzt. So wie Kinder in die Welt gehen, offen, neugierig, spielerisch, voller Bewegungsfreude und tanzend. Dieses Tanzen des eigenen Herzens kann man am besten beobachten, wenn man allein ist, ungestört, am besten in der Natur. Den Blick schweifen lässt, am besten in die Weite. Wenn der Verstand zu viel Terrain gewonnen hat, zeigt sich das häufig durch die Atmung, sie ist dann sehr flach, anstatt lang und durch den Bauch gehend.

In der Natur ändert sich das sofort, noch besser am Meer. Dieser Vorgang wird auch als „Runterkommen“ oder „Entspannen“ beschrieben, es ist aber nichts anderes, als das Herz sprechen zu lassen. Während der Verstand dazu neigt, uns immer schneller mit Gedanken und Hirngespinsten zu befeuern, was heute noch durch unsere Verstrickungen in den Sozialen Medien extrem schnell und dicht geworden ist, lässt uns die Verbindung mit dem eigenen Herzen innehalten und lauschen auf das, was in uns ist. Ist der Verstand zu sehr aktiv, ist unser innerer See zu aufgewühlt, wir können kaum noch den Grund sehen, werden unruhig, kommen in Ängste anstatt ins Vertrauen. Enge (möglicherweise etymologisch mit Angst verwandt) ist immer ein Zeichen des Verstandes, Weite und Offenheit sind Zeichen des Herzens.

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Keine Trennung

Das Herz ist immer in Liebe, es kennt keine Trennung, egal, was zwischen zwei Menschen vorgefallen ist. Manchmal muss es den Verstand einschalten, um sich zu trennen, um Grenzen zu setzen oder Beziehungen zu beenden, die einfach ungesund sind – und das alles ist auch richtig. Ungesund und überhaupt nicht richtig ist es aber, andere Menschen, die man einst geliebt hat, plötzlich zu verurteilen oder gar anzugreifen. Liebe, die sich einmal gezeigt hat und gelebt wurde, verschwindet niemals. Und ist es nicht eigentlich auch ein Zeichen von Größe, die Liebe zwischen zwei Menschen anzuerkennen, obwohl man sich sich inzwischen getrennt hat und erkannt hat, dass es zusammen nicht mehr geht? Ist das nicht eigentlich der Weg des Herzens? Ohne dabei unterwürfig zu sein oder sich selbst zu verleugnen. Man könnte es vielleicht so sagen: Meine Essenz liebt deine Essenz – immer. Lediglich das gemeinsam Erlebte, die trennenden, dramatischen Momente sorgen für Verurteilung und Ärger oder setzen gesunde Grenzen.

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Mut haben

Das, was die Herzentscheidungen so schwer macht, ist der Mut, den sie uns abverlangen. Es ist nicht nur der Mut, uns eventuell gegen Konventionen und Überzeugungen oder sozialen Druck und Erwartungen aufzulehnen, es ist der Mut, zu uns selbst zu stehen. Unsere eigenen Wahrheiten anzuerkennen und uns letztendlich uns selbst zu stellen. Zu dem zu stehen, was wir fühlen, was wir wollen, ganz ohne jemandem gefallen oder gerecht werden zu müssen. Zu uns selbst stehen heißt auch, unsere eigenen Schatten zu erkennen und anzuerkennen. Dunkelheiten gehören zu uns, es gibt keinen Menschen, der sie nicht hat und perfekt ist. Dann wäre er kein Mensch. Es ist unsere eigene Verwundbarkeit, die unser Geschenk ist und uns menschlich macht.

Es geht letztendlich darum, unsere eigene Dunkelheit zu integrieren, mit ihr sein zu können und auch mit unseren vielen Schuldgefühlen anderen gegenüber, die oftmals gerade dann auftreten, wenn wir zu uns stehen. Denn ein Ja zu uns geht vielfach einher mit einem Nein: Ein Nein zum Verhalten von anderen, das wir ertragen, uns aber nicht gut tut, ein Nein zu beruflichen Anfragen, die zwar unser Konto bereichern, aber nicht unsere Kreatitivtät ins Fließen bringen und vielleicht auch ein Nein zu Beziehungen, die zwar bequem sind, aber uns langsam mehr und mehr betäuben (auch toxische Beziehungen genannt). Und immer geht es um den Fluss der Liebe zwischen uns und den anderen, aber vor allem in uns selbst. Es geht darum, ihn fließen zu lassen, anstatt ihn anzuhalten und ins Stocken zu bringen. Wenn er fließt, passiert aber Großes, das erschrecken kann: Wir werden ungeschützt. Verlassen unsere Mauern und begeben uns in Gefahr, verletzt zu werden. Doch genau das ist Offenheit. Offen sein, für das was kommt, egal, was kommt. Herzoffenheit.

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Nur durch die Schatten ist dieser Tunnel so schön.

Selbsthass und Selbstverleugnung

Ein weiterer Aspekt ist der Herzöffnung ist Wahrhaftigkeit. Das Herz möchte die Wahrheit sprechen, es möchte sich nicht hinter Lügen verstecken. Es hat den starken Drang, genau das zu tun, was es im Moment fühlt, ohne das Wenn-und-Aber von morgen, die Angst vor den Konsequenzen. Die ergeben sich ganz allein, wenn man den Weg des Herzens geht. Wer allerdings immer kontrollieren will und sein schönes Leben beschützen, der wird sich irgendwann doch in Lüge verstrickt sehen oder in Abstinenz dessen, was das Herz eigentlich verlangt. Und das wiederum ist letztendlich eine Verleugnung unserer selbst. Das Herz mit seinen Wünschen bleibt und schickt uns in jenen Momenten oft Krankheiten oder Ereignisse, um uns inne halten zu lassen. Das Herz ist nicht getrennt von unseren dunklen Seiten, es erkennt sie an und lebt mit ihnen. Wir mitunter nicht. Wir leugnen sie, stülpen uns die Rolle des Großzügigen und Gebenden über, verstricken uns in falscher Spiritualität, in der wir die Trennung von uns selbst nicht wahrhaben wollen. Jedes Wesen ist liebenswert, und zwar nicht nur, wenn es seine hellen Seite zeigt, sondern auch seine dunklen.

Mit dieser Verleugnung trennen wir uns nicht nur von uns selbst, sondern all dem liegt auch eine gehörige Portion Selbsthass zugrunde. Unser Herz weiß ja genau, wo wir lügen und uns selbst betrügen. Wenn wir betrügen, dann mag es im ersten Moment so erscheinen, als betrögen wir andere, letztendlich aber betrügen wir am meisten uns selbst.

So mögen wir sanft, geduldig, fürsorglich und ein Mensch mit vielen Tugenden sein – nach außen hin. Innen aber kann ein Kampf toben, weil wir uns unseren dunklen Seiten nicht stellen wollen und uns davon trennen und uns lieber in die Ausübung unserer Tugenden stürzen. Es ist ein Weglaufen vor uns selbst. Wenn wir uns vor unseren eigenen dunklen Seiten verschließen, sie nicht wahrhaben wollen, verschließen wir uns auch immer vor uns – und verschließen unser Herz.

Herzöffnung, Ins Herz gehen, wie geht das

Sich selbst annehmen, seine Fehlbarkeit kennen und sich selbst verzeihen sind Schlüssel, um den Weg ins Herz zu finden. Übrigens findet sich hier auch eine entscheidende Grundlage für sexuelle Probleme: Viele Menschen sehnen sich nach dem Gefühl der Einheit und nach Bedingungslosigkeit, suchen bedingungslose Liebe. Sie ziehen und schieben, fahren Dramen auf, legen hollywoodreife Szenarien an. Dabei suchen sie nur eines: das Gefühl der Bedingungslosigkeit, des Nicht-Getrennt-Seins. Sie suchen es in der sexuellen Vereinigung, werden aber oftmals enttäuscht, weil es letztendlich leer bleibt. Denn die Vereinigung muss zunächst mit uns selbst stattfinden, wir müssen die Trennlinien in uns selbst erkennen und integrieren, dann können wir das Einssein mit anderen auch erst fühlen.

Hilfreiche Fragen

Ich mag es ja pragmatisch, deswegen hier ein paar hilfreiche Fragen zum Schluss, die möglicherweise dabei helfen, zu unterscheiden, ob wir mit dem Verstand unterwegs sind oder ob sich das Herz zeigt.

  • Kannst du Menschen verzeihen und vergeben, ohne einen Stein im Magen zu behalten und nachtragend zu sein, für das, was sie getan haben?
  • Lässt du es zu, dass du dich bedingungslos auf andere Menschen einlassen kannst?
  • Erwartest du etwas von anderen Menschen zurückzubekommen, wenn du etwas gibst?
  • Rechnest du auf? Ich habe so viel für dich getan, was hast du für mich getan? Oder bist du im Vertrauen, dass sich alles sowieso ausgleicht?
  • Kannst du einen Menschen lieben, obwohl er so gar nicht deinen politischen, ethischen etc. Vorstellungen entspricht?
  • Verstrickst du dich oft in Geschichten oder kannst du die Geschichten loslassen und deine Gefühle hinter den Stories erkennen?
  • Kannst du sehen, wo du dich von dir selbst trennst?
  • Kannst du dich von anderen trennen und ihnen Grenzen setzen, ohne dich in Hass, Drama und Opfergeschichten zu verlieren?
  • Kannst du dich unschuldig fühlen? Das ist ein deutliches Zeichen für den Weg des Herzens? Kannst du deine Kreativität fließen lassen? Aus Herzen lachen und tanzen?
  • Fühlst du dich ganz und kannst dich akzeptieren, genauso wie du bist?

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Kategorie Schamanismus

Das bin ich: Schamane und Heiler sind große Worte für Qualitäten, die jeder in sich trägt. Keines davon erscheint mir ein passender Begriff oder gar ein passendes Bild, denn eigentlich ist der Gedanke vermessen, dass man andere heilen kann. Was ich aber kann, ist dir Raum geben für deine Themen, dir passende Fragen stellen und Prozesse in Gang bringen. Das ist, was ich tue, egal, ob ich als Buchautorin, Kräuterfrau oder Tierheilpraktikerin arbeite oder einfach nur mit dir einen Tee trinke. Mehr über mich findet Ihr auf auf meinem Reiseblog www.indigo-blau.de

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