Notre Dame in Flammen

Es ist ein Anblick, der ins Herz ging: Notre Dame steht in Flammen. Es ist nicht einfach nur eine KIrche. Es ist DIE Kirche. Die Mutterkirche aller Mysterien. Was ist da eigentlich passiert?

Notre Dame, was bedeutet der Brand energetischSie brennt. Ihr Herz geht in Flammen auf, nur die äußere Form bleibt. Und das zu Ostern. In der Karwoche wird die Kirche, in der die Dornenkrone lagert, ein Opfer der Feuersbrunst. An jedem wichtigen Platz von Paris stehen schwer bewaffnete Wachleute, um Anschläge zu verhindern.

Ausgerechnet Notre Dame

Doch ausgerechnet an Notre Dame nutzt es nichts. Das Feuer brennt. Frisst sich erbarmungslos durchs Dach, wütet im Inneren und fällt den Turm wie einen morschen Baum. Der Turm, der übrigens auch immer ein Symbol der Männlichkeit ist, stürzt mit dem Brand der Kirche. Zu Fall gebracht vom Feuer, der männlichen Kraft.

Notre Dame hingegen ist das stärkste Symbol für Weiblichkeit. Sie ist dem Mitgefühl geweiht, aber auch den höchsten Wundern, die vollbracht werden können, allein durch Hingabe, Vertrauen und Liebe. Bedingungslose Liebe, dafür steht diese Kirche. Notre Dame ist ein Ort, um eben in diese bedingungslose Liebe einzutauchen. Nun ist ihr Herz in Flammen aufgegangen.

Notre Dame in Flammen

Eine Kirche, die nicht nur dem Bildnis von Maria geweiht ist, sondern auch in ihrer heiligen Geometrie, die sich in jedem Winkel des Baus ausdrückte, ein ganz besonderer Ort der Erkenntnis war. Auch für mich. Auch ich habe in dieser Kirche Räume betreten, in die ich sonst nie hätte schauen dürfen, allein indem ich mich mit der dort wohnenden Marienkraft verbunden habe, indem ich in sie eingetreten bin und dort sein durfte. Notre Dame ist die Mutter aller Marienkirchen, sie ist mit allen anderen Marienkirchen Frankreichs über Energielinien verbunden und so Stein gewordene Kraft der Liebe und des Lichts. Das hat sie ausgestrahlt und daran hat sie allein mit ihrem Sein alle erinnert. Manchmal wahrnehmbar, oftmals unbewusst und sanft, wie es eben die Art der Marienkraft ist. Maria, deren Name vielleicht sogar mit dem Wort Meer (Mare) verbunden ist. Wasserkraft, Frauenkraft. Und nun ist es Weiblichkeit, die in Feuer ausbricht. Ein Paradoxum im übertragenen Sinne wie auch in echt. Notre Dame brennt. Ich konnte dieses Bild nicht fassen. Etwas in mir brannte, trauerte und starb gleichermaßen wie diese Kirche überrannt wurde von den Flammen.

Auch eine große Chance

Und doch ist es ein merkwürdiger Zufall, dass sie ausgerechnet in der Karwoche brennt und alles Mittelalterliche auslöscht.Und nicht nur das: Fast ganz unbemerkt, brannte zur selben Zeit die Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem. Synchronizität der Flammen, des Verbrennens. Das ist mehr als ein deutliches Zeichen. Bei aller Trauer und Traurigkeit, die in mir ist, bei aller Wut, dass so etwas Schönes zerstört ist, keimt in mir auch die Hoffnung. Notre Dame bleibt auch eine riesige Chance. Es ist Osterzeit. Zeit der Auferstehung. Wenn der Brand gelöscht ist, ist es Zeit, sich um die Auferstehung dieser Kirche zu kümmern. Und die alten Energien, die sie gestern verbrannt hat, gehen zu lassen, denn es muss Altes gehen, um Neues zum Wachsen zu bringen. Das Dach von Notre Dame ist geöffnet, die Verbindung zum Himmel steht. Es ist Zeit, neues Licht in diesen Heiligen Raum zu lassen. Es ist Zeit, Menschlichkeit neu zu leben, ohne Unterschiede zu machen, sondern sich gegenseitig ins Herz zu schauen, ohne zu unterdrücken oder Macht haben zu wollen.

Eine im Herz getroffene Kathedrale

Der Brand bietet auch eine Möglichkeit, endlich aus den alten Schablonen auszutreten, die uns seit dem Mittelalter beherrschen und die Weiblichkeit seit dieser Zeit unterdrückt haben. Unsere Urkraft des Wachsens, des Erschaffens, des Behütens des Lebens und der bedingungslosen Liebe. Sie wurde immer dem Kriegerischen untergeordnet. Es ist Zeit, unsere Weiblichkeit neu zu entflammen. Gestern hat sich Altes befreit. Nun fordert uns Notre Dame auf, gemeinsam etwas Neues zu errichten. Woher dieser Brand kam,  das ist energetisch nicht wichtig. Wichtig ist es nun weiterzugehen.

Wenn wir die vom Feuer gezeichnete Kirche ansehen, bereitet das nicht nur großen Schmerz, sondern auch immense Symbolkraft. Die verletzte Notre Dame steht auch für unsere tiefen Wunden im Herzen. Wir müssen uns ihrer bewusst zu werden, sie ansehen, heilen und etwas Neues erschaffen. Wir können das Herz dieser Kirche heilen und unser eigenes mit. Das ist die Qualität dieses Moments. Wir können alte Konditionierungen, die dem Mittelalter entsprungen sind, gehen lassen und etwas kreieren, das Freiheit, Aufbruch, Wandlung, vor allem aber Vertrauen und Liebe beinhaltet. Ein neues Symbol der Weiblichkeit, die frei fließen kann und nicht im Schätzkästchen gefangen gehalten wird. Auch im Schatzkästchen kann man Dinge einsperren.

Heilung von soetwas Großem kann die Institution Kirche nicht allein schaffen. Das ist ein Gemeinschaftswerk von uns allen, das geht nur gemeinsam. Zusammen und wohlwollend, jenseits von Konfession, Rasse oder sonstigen Kategorien. Gefordert sind Herz und Menschlichkeit. In Behutsamkeit und Sanftheit, beides urweibliche Qualitäten, die nun mehr denn je gebraucht werden. Der Schock um Notre Dame sitzt tief. Ihre Verletzung ist es auch, sie ist bis ins Mark getroffen. Das Stein gewordene Antlitz der bedingungslosen Liebe braucht nun Heilung im Herzen. Eigentlich etwas, was wir alle brauchen. Wo ist das besser möglich als in Paris, der Stadt der Liebe?

 

9 Kommentare

  1. FRAUEN-FREITAG

    Vielen Dank für deinen wunderbaren Text und deine Gedanken und Inspirationen zu diesem besonderen Ereignis.

    Notre-Dame ist die Mutter Gottes, die jungfräuliche Mutter. Gleichzeitig gibt es Stimmen, die besagen oder sich wünschen, dass diese monumentale gotische Kathedrale Maria Magdalena gewidmet ist.

    Hier treffen zwei weibliche Archetypen aufeinander. Die Mutter, die jedoch nicht in ihrer ganzen Kraft anerkannt ist, sondern die absolute Reinheit in einem eher wiedernatürlichen Ausdruck repräsentiert. Und Maria Magdalena, die vom Papst Gregor im 6. Jhdt. öffentlich zur Hure deklariert wird.

    Erst im Jahre 2016 wird Maria Magdalena öffentlich als Apostelin Jesu anerkannt und gilt als erste Zeugin der Auferstehung!

    Und jetzt steht dieses imposante Gebäude in Flammen – und als Assoziation steigen in mir Bilder hoch, zu all den Frauen, die über Jahrhunderte von der Inquisition verbrannt wurden.

    Das Feuer – Phönix aus der Asche – ein stark alchemistischer Prozess für Transformation. Wir dürfen gespannt sein, was Neues daraus entsteht und dürfen für uns wieder all unsere Aspekte der Weiblichkeit integrieren und leben.

    Andere Kulturen ehren auch andere weibliche Aspekte. Zum Beispiel der Hinduismus verehrt Kali als Göttin der Zerstörung – die dunklen Aspekte des Weiblichen dürfen hier gelebt und anerkannt werden. Auch in der europäischen Kultur wurden die dunklen Aspekte der Göttin früher verehrt und integriert.

    Über viele Jahrhunderte prägte ein sehr steriles Bild der Frau unsere Kultur. Wir Frauen dürfen zurück finden zu unserer wahren Natur, jenseits von Dogmen und Vorgaben. Und das können wir nur in uns selbst finden und entfalten und leben. Das macht uns kraftvoll, lebendig und echt! <3

  2. Liebe Andrea, ich finde du hast es sehr treffend beschrieben. Es fühlt sich für mich total stimmig an und passt sehr gut in die aktuelle Zeit der Veränderung. Herzliche Grüße aus Hamburg

    • Danke liebe Anna, das freut mich, weil ich an anderer Stelle schon ellenlange Diskussionen führe, die eigentlich nur angezettelt werden, um den eigenen Frust herauszulassen, anstatt sich mit der neuen Energie zu verbinden. Ganz schlimm ist auch, wenn die Institution Kirche mit dem Gebäude verwechselt wird, das ja noch nicht mal der Kirche gehört, sondern dem Staat. Aber das nur am Rande Liebe Grüße

  3. Es hat mich sehr tief berührt, zumal ich letztes Jahr meinen 65zigsten Geburtstag unmittelbar daneben feierte. Und nun sehe ich diese Bilder….
    Mir kamen 2mal die Tränen, jedoch sehe ich in der Zukunft lichtvolleres.
    Denn somit wird auch Altes gereinigt.

  4. Wow.
    Als ich gestern die Bilder im Fernsehen sah fühlte ich ähnlich. Du hast es wundervoll in Worte gefasst. Danke.
    Alte beeindruckende Kirchen stehen ja oft auf uralten Kraftplätzen, weil diese sie neu besetzen und für sich nutzen wollte. Meist liegen die großen Steine, die den Platz einst markierten gar nicht unweit davon. Die sich kreuzenden Energieadern liegen dann genau unter dem Altar, wo der Pfarrer steht – die reine Lebenskraft strömt an so einem Ort kribbelnd, pulsierend und erhebend direkt in einen hinein. Frauen, die sich dereinst an solchen Orten trafen, tanzend und sich hingebend, wurden im Mittelalter im Feuer verbrannt, ihre Kraft versucht auszulöschen. Nun hat ausgerechte das Feuer eben jenes Symbol der Überlagerung geöffnet und den Energiefluss in den Himmel strömen lassen – Zufall?

    • Liebe Jana, ja, genau. Es ist alles einfach spannend und vor allem im Wandel, nichts bleibt für immer. Man kann nichts konservieren, so gern man das auch möchte. Danke für deine Worte

  5. Marlene. Schreyer

    Liebe Andrea Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich konnte über den großen Schock und der unendlichen Trauer noch nicht Deinen so weitsichtigen Blick auf das Ereignis sehen. —- Du gibst mir Hoffnung auf einen Aufbruch Ich danke Dir von Herzen. Wir sind doch behütet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.