Epona – die Pferdegöttin

Wild, unabhängig und frei – mit diesen Attributen werden nicht nur Pferde versehen, sondern sie stehen auch für eine ganz besondere Gottheit: Epona, die Pferdegöttin. Welche Qualitäten trägt sie eigentlich in sich?

Epona-Pferdegöttin

Göttin der Pferde

Sie ist eine ganz besondere Göttin, die Pferdegöttin. Es gibt wohl kaum ein Volk unserer Breiten, das nicht eine Göttin der Pferde verehrt hat. Schließlich waren Pferde einst nicht nur ein wichtiges Fortbewegungsmittel und ein Statussymbol, sondern auch bedeutsam für militärische Zwecke. Kein Wunder also, dass die Pferdegöttin schon viel länger verehrt wird, als die römischen Götter es aufzeigen. Wahrscheinlich beten die Menschen schon seit Urzeiten zur Göttin der Pferde. Doch wen beschützt sie eigentlich und welche Eigenschaften hat sie?

Pferdegedanken aus der Mongolei

Auf meiner Reise in die Mongolei hat mich vor allem eines immer wieder tief berührt: Das Geräusch der Pferdehufe auf dem weichen Permafrostboden der Taiga. Und dann die Menschen, wie verbunden sie mit den Tieren waren, wie stolz sie darauf gesessen haben, sie waren nicht die Herrscher der Pferde, sondern Tier und Mensch waren auf Augenhöhe. Sie waren und sind dort echte Partner. Es gab keine Hierarchien zwischen Mensch und Pferd, beide sind gleichgestellt. Eine ganz besondere Stimmung, die mich fortan den Umgang mit Pferden in Deutschland mit ganz anderen Augen sehen ließ.

Bei meiner Reise habe ich mehrere Zeremonien mitgemacht und dabei sagte mir jemand einen Satz, der mir gleich eine Gänsehaut bereitete, weil ich die tiefe Wahrheit darin gespürt habe: „Mit Pferden galoppiert das Glück in dein Leben.“

So erscheint es mir ganz logisch, dass es eine Pferdegöttin geben muss. Epona. Man kann sie mit dem Kopf erfassen, viel darüber lesen und noch mehr vermeintlich wissenschaftlich herangehen. Oder man kann sie erspüren, mit dem Herzen, ihre Qualitäten und den Aspekt, den sie in diese Welt bringt, mit dem Herzen anschauen. Das ist, was ich im Folgenden tun möchte, ihre Qualitäten vom Herzen aus anschauen.

Pferdegöttin Epona

Göttliche Qualitäten: Sanftheit und Stärke

Epona wurde anfänglich wohl als starke Stute dargestellt, erst später wurde sie als Frau auf einem Pferd gezeigt. Es ist tatsächlich der weibliche Aspekt der Pferde, der verehrt wird: Es ist dieses Vereinen von Sanftheit und hoher Sensibilität, die so viel fühlt. Sensibilität, die Dinge erfühlt, bevor der andere sich darüber klar werden kann. Die Leitstute ist die erste, die die Herde bei einer Gefahr führt, währen der Hengst hinten sichert. Also ist es auch die Leitstute, die verehrt wurde für ihre Tapferkeit. Sie ist es, die den richtigen Weg aus jeder schwierigen Situation findet. Und so nimmt es kein Wunder, dass Epona auch als Göttin der Reisenden gilt. Sie ist zugleich der Inbegriff von Freiheit und Wildheit, was steht mehr für Freiheit als Pferde?

Epona wird oftmals mit einem oder zwei Hunden an der Seite dargestellt, denn sie ist zugleich eine Wächterin der Tiere, die stets deren Wohlergehen im Auge hat. Pferdekraft ist nicht nur eine Kraft der Sanftheit, es ist vor allem eine Kraft der Geschwindigkeit, die am besten aus purem Überschwang und Lebensfreude entspringt oder eben aus Fluchtreflex. Mit seinem Galopp bringt das Pferd seinen Reiter in eine andere Dimension, in eine andere Schwingung, und so steht Epona auch für das Betreten dieser anderen Welten. Manche Quellen sprechen Epona die Fähigkeit zu, eine Führerin ins Jenseits zu sein. Mir gefällt die Version besser, dass sie eine Begleiterin ist, uns in die bessere Version unseres Selbst zu führen, in unser eigenes, kleines Paradies ganz tief in uns drin. Der Platz, an dem letztendlich Heilung geschieht.

Vertrauen und Wunder

Wer einmal auf dem Pferd gesessen hat, der weiß, dass dort wahre Wunder möglich sind. So führt Epona uns in die Welt des Vertrauens, denn nur mit Vertrauen gelingt es, dass Pferd und Reiter eins sind. Es ist eine Welt der Hingabe an den Moment, der die ganze Welt bedeutet, es gibt kein Morgen und kein Gestern beim Reiten, nur das Jetzt. Eine ganz eigene Art der Meditation. Es ist ein Erleben, dass es nur funktioniert, wenn man sich in die Verbindung begibt, anstatt in die Trennung. Denn letztendlich ist alles miteinander verbunden und man kann nicht davor weglaufen, auch wenn man meint, in Trennung zu gehen. Diesem Verbundensein wohnt eine große Heilkraft inne und so kommt es, dass Epona, der Pferdegöttin, auch Heilkraft zugesprochen wird. Es ist eine Heilung, die immer aus dem eigenen Selbst heraus geschehen wird. Aus dem Sichvergessen und dem Vertrauen, den richtigen Weg zu finden, wenn es nötig ist. Sie zürnt nicht dem Alten, die trägt nicht nach, sie haftet nicht an. Sie ist ganz im Moment und trifft die Entscheidungen, die in diesem Moment anstehen. So wie die Leitstute in der Pferdeherde.

Kein Wunder also, dass Epona einst von vielen als Helferin in der Not angebetet worden ist. Für mich stehen Götter für Qualitäten und Aspekte, die wir uns immer wieder bewusst machen sollten. Und Epona ist so ein sanfter und doch so starker Aspekt, den es sich anzuschauenl lohnt. Ein Aspekt der Geborgenheit, des Sich-Aufgehoben-Fühlens aus dem Vertrauen heraus, immer den richtigen Weg zu finden, aus jeder Krise. Im Vertrauen auf die Kraft der Freiheit und Vertrauen in die Richtigkeit der eigenen Wildheit ganz tief in uns. Es ist diese Kraft in uns, die uns sanft stubst, wenn wir auf dem falschen Weg sind, sanft, aber hartnäckig weist sie uns den Weg in eine neue Welt. Epona ist es, die uns aus dem Dunklen, aus den Krisen, wieder ins Helle führen kann. Pferdekraft ist heilsam und wirkt Wunder in der Seele. Und so bleibt Epona eine ganz große Heilerin. Eine, die sich ihrer Qualitäten nicht so bewusst ist, wie andere Götter. Sie macht einfach. Wenn wir am liebsten weglaufen würden und voller Angst vor dem stehen, was kommt, können wir genau dieser Kraft doch vertrauen, denn es ist die Leitstute, die uns führt. Die Leitstute unseres Lebens, führt uns aus dem Dunklen ins Helle. Ganz behutsam und doch sicher. Es ist diese Kraft, die uns immer geborgen fühlen lässt, bei jedem Schritt. Doch am liebsten in Lebensfreude, mit Sprüngen, Steigen und Galopp.

Es gibt übrigens auch das Krafttier Pferd, darüber habe ich hier geschrieben.

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Kategorie Götter, Schamanismus

Das bin ich: Schamane und Heiler sind große Worte für Qualitäten, die jeder in sich trägt. Keines davon erscheint mir ein passender Begriff oder gar ein passendes Bild, denn eigentlich ist der Gedanke vermessen, dass man andere heilen kann. Was ich aber kann, ist dir Raum geben für deine Themen, dir passende Fragen stellen und Prozesse in Gang bringen. Das ist, was ich tue, egal, ob ich als Buchautorin, Kräuterfrau oder Tierheilpraktikerin arbeite oder einfach nur mit dir einen Tee trinke. Mehr über mich findet Ihr auf auf meinem Reiseblog www.indigo-blau.de

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