August – der Monat der Fülle

Der August beginnt und mit ihm eine ganz besondere Zeit. Was sind die Qualitäten des Augustes und was bringt er mit?

Was für ein Monat! Der August ist Sommer in seiner ganzen Fülle. Die Sonne hat die Erde aufgeheizt, Wiesen und Wälder stehen dicht und satt, und überall hängt etwas Schweres, Reifes in der Luft. Pflanzen haben das Licht der vergangenen Monate aufgenommen und in Blüten, Früchte, Samen und Düfte verwandelt. Jetzt wird geerntet: Getreidefelder werden golden und die ersten Äpfel, Birnen und Pflaumen reifen. Brombeeren färben sich schwarz, Holunderbeeren werden dunkel und schwer, Haselnüsse wachsen heran. Auf den Wiesen blühen Schafgarbe, Wilde Möhre, Rainfarn und die ersten Herbstboten, während an vielen Waldrändern bereits die Heide Farbe zeigt.

Der August ist der Monat, in dem die Natur nichts mehr zurückhält.

Alles ist üppig, prall und voller Leben. Die Weidetiere haben sich satt gefressen, die Jungtiere sind kräftig geworden, Vögel ziehen ihre Jungen groß und in den Hecken hängen die Früchte. Gleichzeitig beginnt bereits das große Reifen für die nächste Generation: Aus Blüten werden Samen, aus Samen wird neues Leben.

Es ist die Zeit der Ernte. Und damit auch die Zeit des Dankes.

Denn wer im August durch die Landschaft geht, bekommt eine Ahnung davon, was Fülle wirklich bedeutet. Sie ist nicht nur Besitz. Fülle bedeutet, dass etwas da ist, das weitergegeben werden kann.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft dieses Monats.

Was bringt uns der August aus spiritueller Sicht?

Der August fragt uns: Was ist aus dem geworden, was du im Frühjahr gesät hast?

Wir haben Wünsche gehabt, Pläne geschmiedet, Dinge begonnen, Entscheidungen getroffen. Manche dieser Samen sind aufgegangen. Andere sind verdorrt. Manche haben sich ganz anders entwickelt, als wir gedacht haben. Und vielleicht ist auch etwas gewachsen, mit dem wir überhaupt nicht gerechnet haben.

Die Natur urteilt darüber nicht.

Sie fragt nicht, ob die Sonnenblume schöner hätte werden können oder ob der Apfelbaum schneller hätte Früchte tragen müssen. Sie bringt einfach hervor, was unter den gegebenen Bedingungen möglich war.

Vielleicht dürfen wir das auch für uns gelten lassen.

Wir müssen nicht ständig größer, schöner, erfolgreicher, jünger oder glücklicher werden. Wir müssen nicht aus jedem Sommer unseres Lebens die perfekte Ernte hervorbringen. Manchmal ist es schon genug, gewachsen zu sein.

Der August lädt uns ein, das zu erkennen, was jetzt da ist.

Nicht das, was noch fehlt. Nicht das, was andere haben. Nicht das Leben, das wir irgendwann einmal führen wollen. Sondern dieses eine, das gerade vor uns liegt.

Die Fülle des Augusts ist dabei keineswegs selbstverständlich. Sie erinnert uns daran, wie reich beschenkt wir in unseren Breitengraden sind: Wasser, fruchtbare Böden, Wälder, Wiesen, Beeren, Kräuter, Obst und Getreide. Wir können ernten, was die Erde hervorgebracht hat.

Das ist ein Grund für Dankbarkeit.

Aber Dankbarkeit bedeutet nicht, die Augen vor dem Mangel anderer zu verschließen. Im Gegenteil. Wer erkennt, wie viel er selbst bekommen hat, kann leichter teilen.

Und damit führt uns der August zu einer weiteren Frage:

Was geben wir eigentlich weiter?

Die Fülle gehört allen

In vielen spirituellen Ratgebern geht es heute um Selbstliebe, Selbstverwirklichung und darum, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Das ist wichtig. Doch Selbstfürsorge darf nicht an der eigenen Haustür enden.

Denn die Natur funktioniert anders.

Ein Baum lebt nicht für sich allein. Seine Blüten ernähren Insekten, seine Früchte Vögel und Säugetiere, seine Blätter werden zu Humus, seine Wurzeln halten den Boden. Was er hervorbringt, wird Teil eines größeren Kreislaufs.

Auch eine Wiese ist kein Zusammenschluss einzelner Pflanzen, die um ihre persönliche Entfaltung kämpfen. Sie ist ein Geflecht aus Pflanzen, Pilzen, Mikroorganismen, Insekten und Tieren. Alles hängt miteinander zusammen.

Vielleicht liegt darin eine der großen spirituellen Lektionen des Augusts:

Wir sind nicht nur einzelne Menschen. Wir sind Teil eines Ganzen.

Das bedeutet nicht, dass wir uns selbst aufgeben müssen. Es bedeutet vielmehr, dass unser eigenes Glück nicht kleiner wird, wenn wir etwas davon weitergeben.

Im Gegenteil.

Ein Lächeln. Ein offenes Ohr. Eine helfende Hand. Ein ehrliches Gespräch. Zivilcourage, wenn jemand ungerecht behandelt wird. Ein Anruf bei einem Menschen, von dem wir wissen, dass er gerade einsam ist. Eine Einladung zum Essen. Die Bereitschaft, einen anderen Menschen nicht sofort zu verurteilen.

Das sind keine großen spirituellen Übungen.

Aber vielleicht sind sie genau deshalb so wichtig.

Denn wir können stundenlang meditieren, Räucherwerk entzünden und uns mit der Entwicklung unseres eigenen Bewusstseins beschäftigen – und trotzdem vergessen, dass Spiritualität auch darin bestehen kann, für andere da zu sein.

Der August fordert uns auf, über das eigene Ich hinauszuwachsen.

Nicht indem wir uns selbst kleiner machen, sondern indem wir unser eigenes Leuchten dazu nutzen, auch andere sichtbar werden zu lassen.

Die Zeit der Ernte

Das Schnitterfest, Lughnasadh oder Lammas, liegt traditionell Anfang August. Es markiert in verschiedenen europäischen Überlieferungen die erste Ernte und damit einen Übergang: Das Korn ist reif, die Arbeit des Jahres zeigt erste Ergebnisse, und zugleich beginnt die Zeit, in der die Tage bereits wieder kürzer werden.

Das ist eine eigentümliche Wahrheit des Augusts:

Gerade wenn alles auf seinem Höhepunkt steht, beginnt schon der Abschied.

Noch ist es heiß. Noch stehen die Blumen in voller Blüte. Noch können wir bis spät abends draußen sitzen. Doch morgens liegt manchmal schon Tau auf den Wiesen, die Nächte werden spürbar länger und in manchen Bäumen verfärbt sich bereits das erste Blatt.

Die Natur hält nichts fest.

Sie blüht – und lässt wieder los.

Sie bringt Früchte hervor – und gibt sie ab.

Sie wächst – und beginnt gleichzeitig, sich auf den Rückzug vorzubereiten.

Vielleicht können wir von ihr lernen, dass auch wir nicht alles festhalten müssen. Nicht jede Beziehung. Nicht jede Lebensphase. Nicht jeden Traum. Manches darf erfüllt sein und trotzdem enden.

Das macht die Ernte nicht weniger wertvoll.

Im Gegenteil.

Vielleicht wird etwas gerade dadurch kostbar, dass wir wissen, dass es nicht ewig dauert.

Sternschnuppen und Schmetterlingsflügel

Und dann sind da die Nächte.

Der August ist der Monat der Sternschnuppen. Mitte August zieht die Erde durch die Staubspur des Kometen 109P/Swift-Tuttle, die den Perseidenstrom hervorbringt. Rund um den 12. und 13. August können besonders viele Sternschnuppen zu sehen sein. 2026 fällt das Maximum sogar in die Nähe des Neumonds – gute Bedingungen für einen dunklen Himmel.

Dann lohnt es sich, hinauszugehen.

Licht aus. Handy weg. Kopf in den Nacken.

Und vielleicht einen Wunsch haben.

Nicht, weil eine Sternschnuppe Wünsche erfüllen könnte. Sondern weil wir uns in diesen Momenten überhaupt erst wieder erlauben, einen Wunsch auszusprechen.

Was wünsche ich mir wirklich?

Nicht, was vernünftig wäre. Nicht, was andere von mir erwarten. Nicht, was ich besitzen sollte.

Sondern: Was möchte durch mich in die Welt?

Der August ist ein guter Monat für große Fragen.

Denn auch die Schmetterlinge erzählen von Veränderung. Sie beginnen ihr Leben als Ei, werden zur Raupe, verpuppen sich und erscheinen schließlich als völlig anderes Wesen. Was von außen wie ein Wunder aussieht, ist in Wahrheit ein langer Prozess aus Wachstum, Verwandlung und Loslassen.

Vielleicht müssen wir nicht immer wissen, was am Ende aus uns werden wird.

Vielleicht reicht es, uns zu verwandeln.

Das Leuchten des Augusts

Überall leuchtet es jetzt.

Goldgelb stehen die Getreidefelder in der Sonne, gelbe Rainfarnblüten und Königskerzen setzen Farbtupfer in die Landschaft, rote Beeren hängen an den Sträuchern und violette Blüten erinnern schon daran, dass der Sommer nicht ewig bleiben wird.

Und überall flattern Schmetterlinge.

Tagpfauenauge, Admiral, Kleiner Fuchs, Zitronenfalter und Schwalbenschwanz suchen Blüten auf. Manche haben gerade erst begonnen zu fliegen, andere gehören bereits zur zweiten Generation des Jahres.

Sie sind leicht und verletzlich und zugleich erstaunlich ausdauernd.

Vielleicht ist das die Qualität des Augusts: sich zeigen, ohne sich festhalten zu müssen.

Das eigene Licht nicht verstecken.

Freude empfinden, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.

Feiern. Tanzen. Lieben. Essen. Lachen. Schwimmen. Barfuß durch das Gras gehen. Mit Freunden bis tief in die Nacht am Feuer sitzen. Und dankbar sein für diesen kurzen, vollkommenen Moment, in dem alles da zu sein scheint.

Denn der August erinnert uns daran, dass Fülle nicht bedeutet, immer mehr zu bekommen.

Fülle bedeutet, zu erkennen, was bereits da ist.

Und vielleicht bedeutet spirituelles Wachstum genau das: nicht immer höher hinaus zu wollen, sondern irgendwann zu verstehen, dass wir selbst Teil dieses großen Kreislaufs sind.

Wir nehmen.

Wir wachsen.

Wir blühen.

Wir geben.

Und irgendwann lassen wir los.

So wie die Natur.ten Ernten. Immerhin haben die meisten Menschen auf dieser Erde viel weniger. Übrigens auch viel weniger Freiheiten.

Sternschnuppen und Schmetterlingsflügel

Was jetzt ansteht, das zeigt uns die Natur aufs Schönste: Greift nach den Sternen und breitet die Schmetterlingsflügel aus. Denn im August durchquert unser Raumschiff Erde am Sternenhimmel die Perseiden. Eine Flut von Sternschnuppen ist vor allem um den 12. August herum zu sehen. Alle drei Minuten hätte man einen Wunsch frei. Es ist jetzt Zeit nach den Sternen zu greifen. Erfülle dir deine Träume! Träume groß, aber vergiss den Blick aufs Ganze nicht. Es ist die Zeit, sich zu fragen: Wie kann ich mit meinen Qualitäten die Welt bereichern? Alles ist ein Geben und Nehmen. Je mehr zu gibst, desto mehr bekommst du. Es ist die Zeit, dein eigenes Leuchten mit der Kraft der Sonne zu stärken und dir deiner ganz eigenen Fähigkeiten bewusst zu sein. Strotzend vor Licht und Strahlen in die Welt hinauszugehen und sie mit deinem Wesen, deinen Fähigkeiten, vor allem aber deiner Begeisterungs- und Liebeskraft zu bereichern.

Alles leuchtet nun in einer großen Farbenpracht. Vorherrschende Farben sind goldgelb und Rot. Wärme pur, Fülle, Leidenschaft stehen an der Tagesordnung. Sein Herz zu zeigen, bevor es sich wieder in sich zurück zieht in den Monaten der Kälte. Es ist die Zeit der Schmetterlinge, die sich überall zeigen. Leicht flattern sie im Wind, ein größeres Sinnbild für Transformation gibt es kaum als den Schmetterling, der vom Ei, von der Raupe zur Schönheit wird. Es ist die Zeit, sich zu zeigen. Zeit der Extrovertiertheit. Zeit, zu feiern und das Leuchten zu sehen – in sich und vor allem in den anderen.

Feste & Monde im August

  • Am 2. August ist das Schnitterfest, auch Lamas oder Lughnasadh genannt
  • Am 13. August ist Fest der Jagdgöttin Diana
  • Am 15. August ist Mariä Himmelfahrt, Kräuterweihe und letzter Tag, um die Kräuterernte einzubringen.

Das ganze Zitat aus „Wie es Euch gefällt“ von Shakespeare, 7. Akt, Jaques spricht zum Herzog:

Die ganze Welt ist Bühne
Und alle Fraun und Männer bloße Spieler.
Sie treten auf und geben wieder ab,
Sein Leben lang spielt einer manche Rollen
Durch sieben Akte hin. Zuerst das Kind,
Das in der Wärtrin Armen greint und sprudelt;
Der weinerliche Bube, der mit Bündel
Und glattem Morgenantlitz wie die Schnecke
Ungern zur Schule kriecht; dann der Verliebte,
Der wie ein Ofen seufzt, mit Jammerlied
Auf seiner Liebsten Braun; dann der Soldat,
Voll toller Flüch und wie ein Pardel bärtig,
Auf Ehre eifersüchtig, schnell zu Händeln,
Bis in die Mündung der Kanone suchend
Die Seifenblase Ruhm. Und dann der Richter
Im runden Bauche, mit Kapaun gestopft,
Mit strengem Blick und regelrechtem Bart,
Voll weiser Sprüch und Allerweltssentenzen
Spielt seine Rolle so. Das sechste Alter
Macht den besockten, hagern Pantalon,
Brill auf der Nase, Beutel an der Seite;
Die jugendliche Hose, wohl geschont,
’ne Welt zu weit für die verschrumpften Lenden;
Die tiefe Männerstimme, umgewandelt
Zum kindischen Diskante, pfeift und quäkt
In seinem Ton. Der letzte Akt, mit dem
Die seltsam wechselnde Geschichte schließt,
Ist zweite Kindheit, gänzliches Vergessen,
Ohn Augen, ohne Zahn, Geschmack und alles.

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Kategorie Monatsenergie

Das bin ich: Schamane und Heiler sind große Worte für Qualitäten, die jeder in sich trägt. Keines davon erscheint mir ein passender Begriff oder gar ein passendes Bild, denn eigentlich ist der Gedanke vermessen, dass man andere heilen kann. Was ich aber kann, ist dir Raum geben für deine Themen, dir passende Fragen stellen und Prozesse in Gang bringen. Das ist, was ich tue, egal, ob ich als Buchautorin, Kräuterfrau oder Tierheilpraktikerin arbeite oder einfach nur mit dir einen Tee trinke. Mehr über mich findet Ihr auf auf meinem Reiseblog www.indigo-blau.de