Martinstag feiern: Die Gabe des Teilens

Martinstag, Bräuche, Teilen, hier der rote Mantel wird mit dem Schwert geteiltAm 11. November ist es Zeit, den Martinstag zu feiern. Wenn die Kinder heute mit bunten Laternen durch die Straßen ziehen und fröhliche Lieder singen, steckt hinter diesem Datum doch ein hoher Anlass, der es wert ist, nicht nur mit Laternenumzügen bedacht zu werden.

Der Heilige Martin von Tours

An diesem Tag wird der Heilige Martin von Tours geehrt, der im Jahre 316 in Ungarn geboren wurde und dieses Jahr genau 1700 Jahre alt werden würde. Er gehört zur Triologie der Heiligen, die uns von September bis Dezember durch den Herbst begleiten. Zunächst gibt es den Heiligen Michael, der gegen den Drachen gekämpft hat, dann feiern wir Martinstag und später den Heiligen Nikolaus.

Martinstag feiern

Und nun St. Martin. Etabliert hat sich ein schöner Brauch, denn es geht um das Teilen und die Barmherzigkeit. Die Legende dazu berichtet, dass Martin von Tours als Soldat im französischen Amiens stationiert war. Dort begegnete ihm ein armer Mann, der unbekleidet war. In Ermangelung anderer Gaben hat Martin seinen Mantel mit seinem Schwert zerteilt, um den Bettler zu wärmen. Dieser Brauch wird heute noch in vielen Gegenden besungen und nachgespielt. Ob in Kindergärten, Schulen oder Dörfern – der Martinstag ist das Fest des Teilens, mehr noch als Weihnachten. Und vielleicht auch unser barmherzigstes Fest. So ist der Heilige Martin ein Sinnbild für Demut, Opferbereitschaft und Herzensgüte. Gaben, die wir dringend in unserer modernen, technikorientierten Gesellschaft brauchen.

Schon früher wurde diese Zeit Mitte November gefeiert. Sie war die Zeit des Winteranfangs, man zog sich zurück in seine Stuben und sammelte sich ums Feuer. Man schloss Verträge ab oder machte Pläne für das nächste Jahr.

Innehalten

Ich finde die Geschichte vom Heiligen Martin sehr schön als Bildnis für eine Reise ins eigene Innere.

Manchmal ist der nackte Bettler der eigentlich Reiche, denn er ist frei und hat nichts, um das er Bangen und fürchten muss.Er hat auch kein Gesicht und kein Image zu verlieren, das er sich mühsam aufgebaut hat und mit viel Kraftanstrengung erhalten möchte. Er ist einfach. Nein, ich möchte Armut nicht romantisch verherrlichen, aber Reichtum ist auch nicht immer gesund. Vor allem in unserer Zeit. Wer ist sich denn bewusst, wie reich wir heute eigentlich sind? Wir müssen uns nicht wirklich um unsere Grundbedürfnisse sorgen, haben ein Dach über dem Kopf und können im Laden zwischen Amaranthpops und Chiasamen auswählen, was wir auf den Tisch bringen. Doch je mehr wir haben, desto unfreier werden wir. Ich finde Martin ist ein schönes Sinnbild, wenn er aus der Sicherheit herausreitet und einen armen Menschen trifft. Wir suchen auch immer die perfekte Sicherheit, die uns wärmt, schließen Versicherungen ab, Vorsorgeleistungen, planen langfristig Reisen, Urlaub, Besuche. Doch was ist, wenn uns das Leben über den Weg läuft, der Zufall? Sind wir dann auch bereit, etwas aufzugeben und Kälte und Frieren in Kauf zu nehmen, um zu teilen? Je mehr Sicherheit wir suchen, umso höher werden auch die Mauern ums eigene Herz. Und da ist es eben genau der richtige Schritt, den wärmenden Mantel abzulegen, aus der Komfortzone herauszutreten und zu fühlen. Anstatt eingelullt in Sicherheit zu sein. Und dann den anderen neben sich wahrnehmen – oder sich selbst besser.

 

 

 

 

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