Mittsommernacht: Rituale für 12 heilige Tage

Mittsommernacht Rituale, Blumenkranz, RosenblätterAm 21. Juni ist ein spezieller Tag im Jahreszeitenkalender, ideal für Mittsommernacht Rituale. Sie sind heute besonders wirksam. Gefeiert wird nämlich  das Gegenstück zum Julfest – der längsten Nacht des Jahres. Glühwürmchen tanzen in den Wäldern und Gärten und die Tage scheinen nie zu enden. Tipps für Rituale und Gestaltung dieses besonderen Tages.

Bedeutung der Mittsommernacht

Der 21. Juni ist der längste Tag des Jahres, in manchen deutschen Regionen wird es erst um Mitternacht so richtig dunkel. Kurze Nächte also und heiße, aufgeladene Tage. Die Lichtstärke ist hoch, nicht nur im außen, sondern auch in uns.

In dieser Zeit sind die Pflanzen der Erde schwanger mit der neuen Frucht, die langsam heranreift. Die Früchte nehmen die Kräfte des Sommers in sich auf und reifen unter der starken Sonne zu prallen, süßen Beeren oder Tomaten. Es ist auch ein Fest der Fruchtbarkeit und viele uralte Kultstätten sind an diesem Sonnenstand ausgerichtet. Wenn die Tage lang sind, nehmen nicht nur Pflanzen, sondern auch wir die Kraft der langen Tage in uns auf, sind sehr kreativ und schaffensfroh und können spielend Herzensvorhaben verwirklichen.

Die langen Nächte sind eine Zeit des Feierns, des Feuerns und der Liebe. Paare sprangen gemeinsam über das Feuer, um die Liebe ewig zu bewahren. Und Kinder, die in dieser Nacht gezeugt sind, verfügen über großes magisches Potenzial.

In den besonderen Nächten, wie etwa Beltane oder Samhain sind die Schleier zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt sehr dünn. Es sind gute Tage, seiner Ahnen oder anderer Lieben im Jenseits zu gedenken. Ebenso wie die Kraft dieser Tage hervorragend dazu geeignet ist, Klarheit für sich selbst zu erschaffen, etwa in Form von Meditationen oder Nächten unter freiem Himmel. Wer den Zeichen genau lauscht, kann Künftiges erahnen oder gar „sehen“.

Mittsommernacht, Ritual, Feuer, RäuchernMittsommernacht: Ritualzeit

In manchen Gegenden werden heute noch brennenende Feuerräder den Berg heruntergerollt. In Skandinavien feiert man den Mittsommer ebenso wie in der Mongolei. Zur Mittsommernacht Rituale zu machen, ist dabei oft in Vergessenheit geraten, aber gefeiert wird dennoch bis heute. Auch bei uns hat der Mittsommer eine lange Tradition. Wiliam Shakespeare hat in seinem Mittsommernachstraum einen anderen Aspekt dieses Tages gewürdigt, denn in dieser Zeit sind die Beziehungen zu Elfen und Feen sehr eng und wer über hellsichtige Kräfte verfügt, so sagte man, kann sie an diesem Tag sehen. Aber zu nahe kommen sollte man ihnen trotzdem nicht, erstrecht nicht in der Johanni-Nacht, denn dann feiern sie selbst.

Wichtig ist, wie bei allen Ritualen, ein Feuer. Früher hat man aus den Stängeln der Nachtkerzen Fackeln gemacht und ist damit durch die Nacht gelaufen.

Es ist die Zeit, um um Wachstum und Reife zu bitten. Aber natürlich auch um Beistand in Liebes- und Herzensangelegenheiten sowie um Heilung.

Mittsommer ist auch ein idealer Tag, um eine Quelle aufzusuchen und Wasser zu schöpfen. Es sollte höchstens sechs Monate aufbewahrt werden und so sagt man, entwickelt magische Kräfte, wenn es an Johanni geschöpft wurde. Mittsommernacht Rituale – dafür gibt es viele Möglichkeiten.

Wenn Johanni so gefeiert wird, dass man bis zum Sonnenuntergang draußen ist, sollte man auf jeden Fall am folgenden Tag mit dem Aufgang der Sonne draußen sein. Ich empfehle dann, barfuss durch den Tau zu gehen und sich den Tau ins Gesicht zu streichen, es stärkt die Schönheit. Mit etwas Glück erwischt man einen Tropfen im Frauenmantel, den man entweder über die Lippen streicht oder über das dritte Auge – er reinigt und verleiht magische Kräfte.

Mittsommernacht, RitualeKräutersträußchen zu Johanni

In vielen bayerischen Regionen werden heute noch zu Johanni Kräutersträußchen gebunden. Schließlich ist dieser Tag der Tag der Kräutersammler, jetzt stehen die Heilkräuter in ihrer vollen Kraft und bieten sich für die Ernte an. Geschnitten werden sie am besten mit einer Sichel, die unter den Mondlicht geweiht wurde. Zu den Kräutersträußchen gehört auf jeden Fall das Johanniskraut, aber auch Schafgarbe, Kamille, Bärlapp, Beifuss, Farn, Eichenlaub, Arnika, Ringelblume, Königskerze, Margarite, Ziest, Klette, Holunder, Eisenkraut und Klette können darin vorkommen, letztendlich hängt die Auswahl immer davon ab, was eben gerade in voller Blüte steht. Aus neun Kräutern wird ein Strauß geflochten und dann an die Tür gehängt. Haus und Hof werden in diesen Tagen mit Kräuterkränzen und Sträußen geschmückt. Wer ein Johannisfeuer macht, kann ihn noch kurz ans Feuer halten, um den Strauß aufzuladen und um Schutz und Heilkräfte bitten. In dem Astrid-Lindgren-Roman Bullerbü ist ein anderer Brauch sehr schön beschrieben: Man sammelt ein Kräutersträußlein, trägt es schweigend nach Hause, packt es unter das Kopfkissen und weiß am nächsten Tag, wer der Liebste sein wird. Wer es schon weiß, kann diesen Brauch abwandeln und um Rat oder Einsicht in schwierige Fragen bitten – vielleicht ja auch über einen Traum?

Mittsommernacht, Ritual, FeuerFeuer am Johannistag

Traditionell wird zum Johannistag ein Feuer entzündet. Es ist ein Freudenfeuer, das die Lebenskraft symbolisiert. Jetzt steht alles in Blüte. Es wurde um das Feuer getanzt, Kräuter hineingeworfen, es wurde gesungen, gebetet. Man sprang über das Feuer als Mutprobe. Der Rauch dieser Feuer sollte alles reinigen und vor bösen Geistern und schlechter Energie schützen. Auch ist es ein guter Zeitpunkt, um Altes zu verbrennen und ganz hinter sich zu lassen. Übrigens hat man früher einen Sonnenwendgürtel um die Hüfte getragen, also einen „Rock“ aus Kräuterbüscheln – und sonst nur heilige Nacktheit. Der Gürtel sollte Schutz bringen und Hellsichtigkeit fördern. Und er wurde später ins Feuer geworfen und verbrannt, um eventuelle Krankheiten und Unheil zu zerstören – schöne Mittsommernacht Rituale.

Festspeisen zu Mittsommer

Das, was gerade reif ist und in Blüte steht, kommt in dieser Zeit auf den Tisch. Etwa Holunderküchlein, Holunderbrause oder -sekt, Erdbeeren, Rosensirup und natürlich Johannisbeeren. Holunder soll übrigens allein mit seinem Geruch schon sehr berauschen und die Hormonproduktion anregen. Auch hier haben wir wieder den Aspekt der Liebesnacht. Ich finde es bezeichnend, dass die meisten der Früchte jetzt die Farbe Rot tragen, passend eben zu den Mittsommernacht Ritualen.

Die 12 heiligen Tage rund um Johanni

Nach Wolf-Dieter Storl befinden wir uns rund um Mittsommer in den zwölf heiligen Tagen. Sie sind das Pendant zu den Raunächten im Winter. Und sie beginnen sechs Tage vor Johanni (21. Juni) und enden sechs Tage danach, also Beginn am 16. Juni). Während die Raunächte die Zeit der Besinnung und der Meditation war, standen die heiligen Tage des Sommers eher unter dem Motto des Feierns. Hier wurde gesungen, getanzt, Liebende haben sich nicht aus den Augen gelassen und Kräuterernte stand ebenso im Vordergrund wie das Berauschen an Blütenduft und der Wärme. Während es für die zwölf Raunächte im Internet und in den Büchern inzwischen sehr viele Ideen für die Gestaltung gibt, finde ich wenig bis gar nichts über diese heiligen Tage. Warum eigentlich nicht? Das ist doch irgendwie schade. Deswegen dachte ich mir, dass man die Kraft der Zeit nutzen sollte, schon mal Bilanz zu ziehen und mit der Kraft des Lichts und der Sonne, das jetzt ins Leben ziehen könnte, was man dort verstärken möchte. Was also spricht dagegen, sich diese zwölf heiligen, oder wie ich sie nennen würde, hellen Tage, in sich zurückzuziehen, sich zu besinnen, aber auch das Feiern und Tanzen nicht zu vergessen.

Auf jeden Fall sollte auch hier ein Traumtagebuch geführt und morgens der Tag mit einer Mediation begonnen werden. Wer schon in den Raunächten Tagebuch geführt hat oder zu Silvester Wunschrituale durchgeführt hat für das Neue Jahr, könnte jetzt einmal für die erste Hälfte des Jahres Bilanz ziehen und die ersten sechs Nächte stellvertretend für die vergangenen sechs Monate sehen: Was ist so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe? Und was nicht? Warum ist manches noch nicht eingetreten? Gibt es dafür Gründe in mir oder in meiner Lebenssituatiuon? Kann ich mir das überhaupt vorstellen, das im Leben zu haben, was ich mir so wünsche? Am 21. Juni bietet sich ein Ritual an, um das Gewünschte noch einmal herbeizurufen und dann die nächsten sechs Tage bewusst damit zu verbringen, sich das zu visualisieren, was man haben möchte.

Brauchtum im Heute: Hinweis

Ich finde es sehr schade, dass Mittsommernacht Rituale oft mit politischen Bekenntnissen und rechten Inhalten in Verbindung gebracht werden. Es sind uralte Traditionen, die nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt gefeiert werden und die sich nach dem Lauf der Natur richten. Meiner Meinung nach ist es wichtig, sich eben diesem alten Rhythmus wieder zu öffnen und in Verbindung mit dem Fluss des Lebens zu kommen. Und das am besten fernab von Religion und Ideologien, denn beide haben nach nichts in diesen uralten Ritualen zu suchen. Spiritualität sollte sich immer jenseits von soetwas bewegen und schon gar nicht in Extreme verfallen. Dann ist es für mich Fanatismus aber keine gelebte Spiritualität.

 

 

3 Comments
    • Andrea_Lammert

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