Time to get wild and free, liebe Männer

Lieber Mann, warum musst du dich rechtfertigen, wenn du mit einer wilden, schönen Frau weggehst? Warum traust du dich nicht und kneifst lieber den Schwanz ein, anstatt zu tun, was dir gut tut?

Warum lässt du zu, dass die Frau an deiner Seite dich beschneidet, deine Freiheit beschränkt, so wie es Männer jahrhundertelang mit uns Frauen getan haben? Ja, merkt Ihr es denn nicht? Es greifen dieselben Mechanismen wie damals, nur dass Ihr heute etwas opfert. Es ist ein trostloses Spiel um Macht, Kontrolle und Angst, das ihr spielt. Und meistens nennt Ihr das Liebe und Partnerschaft. Denke nach, lieber Mann. Eigentlich beschneidet deine Frau dir nicht die Freiheit. Du tust es selbst, indem du gehorchst, vorauseilend, brav bist und in rigiden Strukturen verweilst. Wo ist deine Wildheit geblieben? Deine Unbändigkeit? Deine Lebendigkeit? Deine Abenteuerlust?

Lieber Mann – überlege: Welche Frau möchte schon einen braven Mann? Möchtest du Mann eine brave Frau? Oder eine brave Beziehung, in der Gesetze herrschen? In der es um Treue, Eifersucht und Sicherheit geht? Liebe kennt keine Sicherheit, hält sich nicht an Regeln und ist unbändig statt brav.

Liebe ist.

Sie ist da, wenn man es nicht erwartet, vielleicht am wenigsten erwartet und doch immer im richtigen Moment. Manchmal reißt sie Mauern ein und macht Zong, manchmal schleicht sie sich leise durch eine Hintertür und entfacht einen Sturm in deinem Inneren.

Es ist eine wilde Frau, die diese Orkane in dir entfacht. Eine, die frei und bewusst ist. Sie galoppiert in dein Leben und wirbelt alles durcheinander, bevor du überhaupt erkannt hast, was sie tut. Sie steht vor dir in ihrer ganzen Weiblichkeit, einem heilenden Kelch, der dich nährt und einer Quelle, die deinen größten Durst stillt. Sie gibt, ohne zu überlegen, was gestern war oder morgen kommen könnte. Sie ist da und schenkt – sich und ihre Liebe. Eine Frau, die aufrichtig und ehrlich ist, weil sie zu lange vor sich selbst gelogen hat. Diese Frau fordert von dir, deine Masken, Lügen, deine Wehleidigkeit und deine Rüstung abzulegen, die du dir so fest und dick ums Herz gebaut hast. Sie fordert dich auf, hinzugucken und trifft in ihrer Aufrichtigkeit und Schonungslosigkeit deine größten Trigger. Sie löst Erdbeben in dir aus und lässt dich erzittern, wenn du sie lässt.

Das spürst du vom ersten Moment an. Bist fasziniert. Möchtest Heilung und all deine inneren Wunden schließen, wenn die wilde Frau ihre Hände darauf legt. Du spürst diese Liebe und Sehnsucht in dir, dein Aufleuchten und bekommst Angst. Wohlwissend, dass du dich mit ihr nicht im Außen ablenken und dich in deine „Ich-muss-eben-Nochs“ stürzen kannst. Sie erkennt es und fordert dich auf, dich in dich zu versenken und zeigt dir deine Wunden, um sie zu heilen.

Und dann? Läufst du weg. Gehst, ohne Grund, ohne Vorankündigung. Trittst aus dem Kontakt und stichst der wilden Frau damit das Messer direkt ins Herz.

Du flüchtest in die Arme deiner dir Sicherheit vorgaukelnden Mama, die sich in Form deiner (Ehe-)Frau an deiner Seite zeigt. Jetzt stutzt du, lieber Mann. Ja, es ist deine Frau, die die Mutterrolle für dich übernommen hat. Dich versorgt, dich ermahnt und bestraft. Das ist keine erwachsene Beziehung und schon gar kein erwachsener Mann. Sie versorgt dich wie ihren Sohn, macht dir Vorschriften und setzt dich in einen goldenen Käfig wie eine Mutter. Und sie kennt all deine Mechanismen und offenen Flanken bestens, weiß genau, welchen Knopf sie drücken muss, damit du brav bist. Du zahlst diesen Preis, um deine Bedürftigkeit zu stillen.

Wach auf, lieber Mann. Es ist Zeit, auf eigenen Füßen zu stehen. In deiner Wildheit, deiner Abenteuerlust, deiner Freiheit, die so männlich ist. Finde deine Männlichkeit, deine Wildheit und dein Leben. Deine so starke Kraft der Unbeirrbarkeit, des Gespürs, des Agierens und des den ersten Schritt Gehens. Finde deinen Mut wieder, zu dir und deinem Herzen zu stehen.

Stumpfe deine Gefühle nicht mit dieser Süße vorgaukelnden Sicherheit ab, sondern gib ihnen Raum anstatt einen Käfig. Lass sie sprudeln, baue Häuser, schreibe Bücher, male wild oder komponiere mit ihnen, wie es diejenigen vor dir getan haben. Vielleicht verlierst du Sicherheiten und Mutterwärme. Aber du gewinnst.

Auch die Mutterfrau gewinnt, spar dir deine Schuldgefühle. Die mütterliche Frau gewinnt ihre Essenz, ihre Wildheit und ihr Leben, das sie mit dem Konglomerat aus Sicherheit, des geregelten Lebens und eherner Versprechen gedeckelt hat. Lieber Mann, das macht die Mutterfrau an deiner Seite müde. Sie ist müde, denn irgendwann müssen Kinder erwachsen sein, aus dem Haus gehen und die Mutterfrau in ihre Weisheit und Fülle kommen. Wenn sie deine Bedürftigkeit täglich nährt, kannst du zusehen, wie sie immer müder wird.

Lieber Mann, lass nicht zu, dass dein Wunsch nach Sicherheit, dein Besitz, deine „Ich muss noch eben“ und deine Schuldgefühle dich im Gefängnis halten, das dich versteinern lässt. Zu viele von denen, die dir vorausgegangen sind, blieben in diesen Gefängnissen stecken. Schau in ihre Gesichter und du wirst sehen, wie Jugend und Wildheit der Versteinerung und Bitterkeit gewichten sind. Wie Farben ergrauten und Gesundheit erkrankte. Wie auf der anderen Seite aus bildschönen Frauen keifende Kontrollfreaks geworden sind.

Die Männer vor dir sind bei ihren Mutterfrauen geblieben, aus Schuldgefühl, wegen der Konventionen, schlechtem Gewissen und aus Angst vor dem Neuen, auf das man sich nicht verlassen kann. Aber lieber Mann, kann man sich im Leben auf etwas verlassen? Leben ist ein Kreislauf aus Wachstum, Erblühen, Reife, Sterben und Altes gehen lassen und dann wieder erneutem Erblühen. Leben lebt anstatt Sicherheit zu fordern. Tritt endlich ein in diesen Kreislauf, als immer nur Sommer zu wollen, spüre den Winter mit seinem Frost und Sterben, erst dann bis du bereit, auch den Frühling zu erleben.

Und lieber Mann, es ist keine Folge der Emanzipation. Freie, starke Frauen sind wichtig. Aber sie brauchen freie, starke Männer an ihrer Seite. Es ist Zeit, dass Ihr euch anschließt an das Wachstum der Frauen, anstatt zu gehorchen. Seid keine kleinen Jungs mehr, die unterdrückt werden, wie es die Männer Jahrhunderte lang mit uns Frauen getan haben. Unterdrückte, brave, bedürftige Männer sind nicht sexy. Aber, dieses ist auch kein Freifahrtschein, um beliebig Frauen zu konsumieren, nur weil du Lust darauf hast. Es geht um die Liebe, die dich im Herzen erreicht, nicht um die Lust zwischen deinen Beinen.

Tja, lieber Mann. Und nun? Öffne dich. Fühle. Finde die wilde Frau in deinem Leben, die all das weckt und heilt. Zeige dich ihr, in deinen Zweifeln, deinem Schmerz. Bleibe aufrichtig, laufe nicht weg. Nicht vor ihr, denn das ist nur ein Weglaufen vor dir selbst. Verlasse das Gefängnis deiner Bravheit.

Geh zu ihr und lerne zu sprechen. Über dein Inneres. Genau da, wo der große Kloß im Hals dich am Sprechen hindert. Zu lange hast du dir selbst die Kehle zugeschnürrt. Sprich und lass es fließen, werde dir beim Sprechen selbst über deine inneren Vorgänge klar. Und spüre, wie sehr es dich belastet, dich selbst einzumauern. Brich das Schweigen und die Ablehnung deiner selbst. Ein Schweigen, das dir vielleicht helfen mag, bei deiner Mutterfrau zu bleiben. Aber perfide arbeitet es sich tief ins Innere vor und vergiftet dich. Lass nicht zu, dass es dir erst Krankheiten schicken muss, um dich zu bitten, einen anderen Weg zu wählen.

Lass dich berühren. Gegen Grenzen und Konventionen – und gegen dein Sicherheitsbestreben, dass es doch ein gemeinsames Morgen geben mag. Vielleicht gibt es das nicht, denn denke dran: Die wilde Frau wird nicht die Mutterrolle für dich spielen. Lass Heilung zu, ganz tief in dir. Öffne dich. Öffne dein Herz.

Wildheit ist das Unbändige, Verbundene, dem Moment Nachgebende. Zahm sind schon zu viele Menschen auf dieser Welt, die sich unterordnen. Sei der erste in deinem Kreis, der diesen Weg geht und mache denen Mut, die nachfolgen. Und denke daran, dass es vor allem die Söhne dieser Erde sind, denen du zeigen solltest, was Männlichkeit wirklich ausmacht.

 

 

 

6 Kommentare

  1. Liebe Andrea,
    herzlichen Dank für den wunderbaren Text, der meine Erfahrungen exakt wiedergibt! 24 Jahre des „Wartens“ auf einen dieser Männer, die du so treffend beschreibst, haben aus mir erst die wilde, freie Frau gemacht, die ich heute bin… Ich warte auch nicht mehr, sondern habe mein männliches, freies und wildes „Gegenstück“ woanders gefunden. Dennoch war dieser Mann, der mir anfangs nur meine eigene Bedürftigkeit gespiegelt hat, der beste spirituelle Lehrer, den ich je hatte (was umgekehrt genauso gilt). Doch irgendwann muss frau sogar ihren Buddha verlassen, um ihre eigene Meisterin zu werden :-).
    Ich denke, diese Männer können erst was verändern, wenn die Frauen vorangehen, mit der Warterei aufhören und einfach LEBEN.

    • Oh, liebe Sabine, das freut mich sehr! Du glaubst gar nicht, wieviele konträre Rückmeldungen ich zu diesem Text bekommen habe. Ich habe ja schon selbst angefangen zu zweifeln, habe aber gedacht: Nein, das ist für mich stimmig und es ist mein Blog, wer es nicht mag, soll eben wegbleiben. Deswegen: Danke für deine Worte. Sie sind so wahr und treffen das, was ich fühle und erlebe, zu 100 Prozent. Liebe Grüße an den Chiemsee

  2. Hallo Andrea,

    vielen Dank für die Mühen die du in diese Seite steckst um sie zu teilen.
    Welche Intention steckt hinter diesem Text?
    Das ist die mich beherrschende Frage, seit ich deine Seite entdeckt habe.

    Herzliche Grüße aus Kreta

    • Lieber Andreas, wie schön, Kreta! Danke für deinen Kommentar und die Worte. Tja, zu deiner Frage: Was vermutest du denn? Ich meine, wie mutet er denn an für dich?
      Liebe Grüße
      Andrea

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