Halloween-Rituale: Schamanisch feiern

Die Nacht zum 1. November, auf keltisch Samhain, heute besser als Halloween bekannt, ist die zweite große und magische Nacht des Jahres. Sie ist das Gegenstück zu Beltane/Walpurgisnacht und liegt im Jahreszeitenkalender auch genau gegenüber. Es ist für die Hexen das eigentliche Neujahrsfest und Zeit für Halloween-Rituale.

Rituale für Samhain/Halloween-Rituale: Dazu gehört auch immer ein Feuer, wie hier im Bild zu sehen ist.

Ich liebe diese Zeit. Die Zeit der Nebel, die über das Land ziehen. Es ist die Zeit des Vergehens. Nur wenn Altes beendet wird, kann Neues erwachsen. Genau das macht den November aus, der von vielen so verachtet wird. Ich mag diesen Monat besonders, denn er lässt uns in die Tiefen des Seins blicken, in Leben und Sterben und die Fragen nach dem Dazwischen. Nach dem ausgelassenen Sommer beginnt jetzt wieder die Klarheit einzuziehen, der November ist der Vorbote der klaren Winternächte und -tage. Diese ersten Tage des Sternzeichens Skorpion sind ganz besondere Tage. Ihnen wohnt die Kraft von Samhain inne, was vielerorts auch als Halloween gefeiert wird. Was ist eigentlich die Bedeutung von Halloween?

1. Samhain – Sommerende

Am 31. Oktober geht das alte Jahr zuende und das neue beginnt. Jedenfalls wurde es früher so gefeiert. Warum? Das ist ganz logisch. Jetzt werden die Tage kürzer und die Göttin der Schatten, Frau Holle, Hel, die Göttin der Unterwelt, hat wieder die Macht übernommen. Der Sonnengott bekommt das Zepter erst wieder in der Beltane-Nacht. Bis dahin herrscht die Kraft des Rückzugs, der Einkehr, der Weiblichkeit. . Die Erde zeigt uns jetzt ihr Inneres. Mit der dunklen Jahreszeit kommt auch die Mystik wieder in unser Bewusstsein. Waren wir zuvor noch im Außen abgelenkt, ist es jetzt Zeit, nach innen zu sehen.

Der Name Halloween ist übrigens dem Allerheiligen-Begriff entlehnt: All Hallows eve ist dem Namen zu entnehmen. Die katholische Kirche feiert erst am nächsten Tag Allerheiligen und auf den Friedhöfen werden Kerzen angezündet. Doch es sind eigentlich die Nächte, die für hexige Halloween-Rituale entscheidend sind, denn schließlich herrscht ja bald wieder die Nacht.

2. Die Bedeutung von Halloween/ Samhain

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Halloween oder Samhain ist das Gegenstück zu Beltane (Walpurgis) und eines der beiden wichtigsten Feste der heidnischen Religionen. Es ist eine Tradition, die weit zurück reicht, manche Quellen gehen sogar vom 1. Jahrhundert nach Chr. aus. Die Nacht zum November war traditionell das Ende des Sommers, Vieh wurde in die Ställe getrieben, die Menschen feierten ein großes Fest, bevor sie sich in sich und die Winterzeit versenkten. Wie es damals üblich war, wurde auch immer denn Ahnen und den Gestalten aus der Anderswelt gedacht, man glaubte, dass auch sie in dieser Nacht auf der Erde zu Gast sein würden und das man mit ihen schneller als sonst Kontakt aufnehmen könne. Es wurde gesungen, getanzt und gebetet – und wild gefeiert. Mit dabei waren auch immer die Mittler zwischen den Welten, die Kontakt mit Toten aufgenommen haben oder mit Wahrsagerei versucht haben, in die Zukunft zu schauen. Ganz wichtig war dabei der Aspekt der Feuer: Es wurden Feuer entzündet als Symbol des Lichts und der Freude, Freudenfeuer. Die Menschen versuchten, sich gegen die Geister zu wappnen – und gegen die dunkle Jahreszeit, die nun begann. Dabei haben sie später auch Bräuche eingeführt, um Geister zu erschrecken, wie etwa das Verkleiden oder das Streiche spielen. Später wurden diese Rituale von den Kirchen übernommen und zur Allerheiligen-Nacht umgewandelt. Doch Halloween ist ein lautes, buntes Fest geblieben, das sich im Jahreszeitenkreis nicht übersehen lässt.

3. Halloween-Rituale/Samhain-Rituale

Am Abend des Samhain steht die Zeit eine Welte still. Es ist ein perfekter Tag für Rituale, Zusammenkünfte, um das Leben zu feiern, aber auch die Unendlichkeit, die uns umgibt.

Die Schleier in die Anderswelt lichten sich. Es ist ein guter Tag zum Orakeln und zum Wahrsagen, auch Träume an diesem Abend können bedeutungsvoll sein. Auf jeden Fall ist Halloween nach der ursprünglichen Bedeutung auch ein Lichterfest, Kerzen in den Fenstern weisen den herumirrenden Seelen den Weg nach Hause, so heißt es. Heute sind es übrigens wieder die Kürbisse, die brennen. Auch wenn es vielleicht populistische Gründe haben mag, so erfüllen sie doch auch den Zweck und sind wieder mehr und mehr zu finden. Und da sage einer, dieser Welt sei die Magie verloren gegangen. Möglicherweise schleicht sie gerade wieder zurück – und das von vielen ganz unbemerkt.

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Es ist auf jeden Fall ein guter Tag, um mit Halloween-Ritualen den Ahnen zu gedenken und sie zu beschenken – mit Blumen, Speisen, eigenen Keksen, Lichtern oder was uns noch so einfällt. Häuser und Ställe werden an diesem Tag gründlich gereinigt, ausgeräuchert und für den Winter vorbereitet. Es ist die Zeit, Transformationsprozesse anzustoßen, sich dem eigenen Kampf zwischen Schatten und Licht zu stellen. Es ist höchste Zeit, sich cem eigenen Licht zu stellen und es endlich so hell leuchten zu lassen, wie es leuchten möchte. Ohne es mit Zweifel und Sorgen zu dimmen. Aber es ist auch die Zeit des Abschiednehmens, des Loslassens und des Vergebens. Auf jeden Fall gehört ein Feuer dazu, auch das ist sichtbare Transformation.

4. Samhain – das Fest der Toten

Es ist eine besondere Nacht, die nicht nur in Europa, sondern auch in Südamerika und anderen Kulturkreisen gefeiert wird: Die Nacht auf den 1. November gilt als Nacht der Toten. Die Schleier zwischen den Welten sind dünn, wer chaneln kann, hat nun gute Chancen, Kontakt mit den Ahnen oder verstorbenen Liebsten aufzunehmen. Es ist ein Fest, um die Toten zu ehren – in erster Linie. Doch hinter diesem Aspekt steckt viel mehr.

5. Qualität von Samhain

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Vertrauen fassen – das ist die Qualität dieses Festes. Vertrauen, dass auch die dunkelsten Nächte überstanden werden und dass man daraus mit neuer Kraft hervorgeht. Vertrauen, dass dunkle Momente wichtig sind, um Dinge ganz tief im Inneren zu begreifen. So ist es auch die Aufgabe, an diesem Abend voll in die eigene Kraft zu kommen, sich seiner eigenen Fähigkeit voll bewusst zu werden. Und sich dort, wo man nicht weiterkommt, seiner Helfer sicher zu sein, die schon auf der anderen Seite des Regenbogens wohnen. Die Ahnen und geliebten Wesen, die vor uns gegangen sind und uns oft ein Trost sind, weil wir darauf vertrauen, dass sie von „irgendwo dort oben“ auf uns aufpassen. Es ist der Abend, an dem wir uns unseres eigenen, inneren Feuers entsinnen und wissen: Wir sind geschützt.

Denn alles ist ein Geschenk. Auch wenn es sich nicht gleich als solches offenbart. Eines der wichtigsten Büchlein meines Lebens ist die Geistesschulung in acht Versen. Vers Nummer 6 passt gut zu diesem Thema: „Wenn jemand, dem ich mit großer Hoffnung geholfen habe, mich ganz ohne Grund verletzt, will ich lernen, diesen Menschen wie einen edlen geistigen Lehrer zu sehen.“ Wohl eine der schwersten Aufgaben im Leben. Doch oftmals braucht es Arschlochengel, um Dinge zu begreifen und so erschüttert zu sein, dass man seine tiefsten Wunden spüren kann. Nur wer das spürt, kann das auch heilen. Diesen Arschlochengeln zu danken ist ebenso ein schöner Plan zu Samhain, wie sich selbst zu vergeben, für all die vermeintlichen Fehler, die man begangen hat.

6. Tag der Ahnen

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Wichtig aber ist, sich an diesen Tagen an die Ahnen zu erinnern. Ob Fotos rausgekramt werden und mit einer Kerze angeleuchtet oder im Garten Essen hingestellt wird – die Möglichkeiten sind reich, sich an seine Ahnen zu wenden. Ich finde es wichtig, sich auf das zu besinnen, was uns die Ahnen hinterlassen haben. Vor allem die Ahnen, mit denen wir nicht so im Reinen sind. Sie sind es möglicherweise, die uns große Geschenke machen, dazu aber müssen wir den Blickwinkel womöglich etwas ändern.

7. Loslassen

Wer jetzt in den Wald geht, spürt: Es ist die Zeit des Loslassens. Nirgends und nie ist Loslassen so auf der Tagesordnung wie zu Halloween, oder schöner Samhain. Nachdem die Früchte gereift und von den Büschen und Bäumen gepflückt oder gefallen sind, beginnen jetzt auch die Bäume, sich zurückzuziehen und die Kraft zu sammeln. Sie lassen los. Das, was sie während des Jahres gesammelt haben, wird abgeworfen mit den Blättern. Ein wertvoller Prozess, denn nur wenn Altes fällt, kann Neues erwachsen. Die Blätter vergehen und werden zu wertvollem Kompost und fruchtbaren Boden für die Saat. Alles zieht sich zurück, kehrt ins Innere und Wesentliche zurück. Doch das Loslassen in der Natur geschieht nicht still und klammheimlich. Nicht in Trauer und Tränen, sondern mit einem farbenfrohen Fest. Es scheint, als ziehe der Wald noch mal sein schönstes Kleid an für dieses Fest, um dann in seine Winterpause zu gehen. Alles scheint noch einmal aufzuleuchten.

Loslassen ist wohl eine der wichtigsten Qualitäten in unserem Leben. Und eine, die, so scheint es, sehr in Vergessenheit geraten ist. Wir stopfen uns voll mit Materiellem, erschaffen Gesetze und Richtlinien für unsere Beziehunge, beschützen helikoptermäßig unsere Kinder und wundern uns, dass wir uns nicht mehr frei fühlen. Es ist das Vertrauen, das in der größten Dunkelheit wiedergefunden wird. Das Vertrauen in das Leben und in sich selbst. So gestärkt in das Neue Jahr und den Frühling zu gehen, ist ein wunderbarer Ansatz, der mich schon auf die Zeit der Dunkelheit freuen lässt. Und dann kommen die so weisen Worte meines Lieblingstheologen zum Tragen, Meister Eckhart sagt: „Und plötzlich weißt du: Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.“

8. Halloween-Essen

Kürbisse sind wohl das Erste, was einem bei Halloween einfällt. Aber in diese Zeit passen auch Pilze, Kartoffelgerichte, Nüsse oder Wurzelspeisen.

Mehr zum Thema Herbst und Rituale findet Ihr hier: Herbst: Zeit für Rückzug und eine Übersicht hier: Herbstrituale. Wenn du mehr über die Energien zu Samhain 2020 suchst, wirst du dort fündig.

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Kategorie Rituale

Das bin ich: Schamane und Heiler sind große Worte für Qualitäten, die jeder in sich trägt. Keines davon erscheint mir ein passender Begriff oder gar ein passendes Bild, denn eigentlich ist der Gedanke vermessen, dass man andere heilen kann. Was ich aber kann, ist dir Raum geben für deine Themen, dir passende Fragen stellen und Prozesse in Gang bringen. Das ist, was ich tue, egal, ob ich als Buchautorin, Kräuterfrau oder Tierheilpraktikerin arbeite oder einfach nur mit dir einen Tee trinke. Mehr über mich findet Ihr auf auf meinem Reiseblog www.indigo-blau.de

4 Kommentare

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